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Donnerstag, 24. May 2018
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Friedensnobelpreis für Trump? – Kein Witz, über den der US-Präsident lacht

VON RICHARD KIESSLER

Noch vor einem halben Jahr rühmte sich Donald Trump, über den „größeren Atomknopf“ zu verfügen. Und nicht wenige im Umfeld des amerikanischen Präsidenten ermunterten ihn, dem „kleinen Raketenmann“ in Pjöngjang mit „Feuer und Zorn“ Mores zu lehren. Für den Brachial-Diplomaten im Weißen Haus ist das kriegerische Getöse, das im Paria-Staat Nordkorea ein vulgäres Echo auslöste, von Erfolg gekrönt: Die verfeindeten beiden Koreas gehen aufeinander zu, nach 70 Jahren Friedlosigkeit scheint ein Friedensvertrag möglich, macht das Wort von einer „Denuklearisierung“ der koreanischen Halbinsel die Runde. Und in wenigen Wochen soll es eine „große Feier“ geben, wenn sich der US-Präsident und Nordkoreas Machthaber an einem neutralen Ort treffen.

Seine Eitelkeit verbietet es Trump, das Begehren seiner treuen Hintersassen für einen Witz zu halten, ihn für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Als die Masse seiner Fans dieser Tage in Michigan skandierte „Nobel! Nobel!“,  wiegelte der Präsident nicht etwa ab, sondern genoss die Ehrerbietung und stimmte mit „Nobel! Nobel!“ in den vielstimmigen Jubelchor ein. Die Vorstellung, womöglich einen Friedensnobelpreisträger Donald Trump erleben müssen, ist ebenso grotesk wie verstörend. Ausgerechnet einen Mann triumphieren zu sehen, der Ende dieser Woche alles andere als eine Friedensbotschaft an das Regime in Teheran senden wird, wenn es um das Schicksal des von Trump lächerlich gemachten Atomabkommens geht, ist pervers.

Schon frühere Entscheidungen des Nobelkomitees in Oslo haben Kopfschütteln ausgelöst. So als Trumps Vorgänger Barack Obama, kaum hatte er sein Amt angetreten, für seine um die „Stärkung der internationalen Diplomatie“ geehrt wurde, auch wenn dieser US-Präsident mit seinem Drohnen-Krieg ungezählte unbeteiligte Zivilisten töten ließ. Oder Henry Kissinger, der für den Friedensschluss in Vietnam in den Olymp aufrückte, obwohl er zuvor den Krieg dort heftig angefacht und in Chile einen blutigen Putsch gegen eine demokratisch legitimierte Regierung inszenieren ließ.

Trump muss sich vorhalten lassen, die mögliche Wende im Korea-Konflikt keineswegs ausschließlich mit „maximalem Druck“ erreicht zu haben. Ohne die von ihm verachtete internationale Diplomatie, ohne die von der UNO beschlossenen Sanktionen und ohne die Unterstützung Chinas hätte sich Kim Jong-un nicht zu Verhandlungen breitschlagen lassen. Apropos Verhandlungen: In seinem Überschwang blendet Trump die Mühen der Ebene aus, die nach seinem Gipfel mit Kim zu bewältigen sind. Dann geht es um die hochkomplizierten Details eines Verhandlungsfriedens, etwa um die Realisierung dessen, was eine „Denuklearisierung“ bedeutet.

Da die Frist für die Nominierung in diesem Jahr abgelaufen ist, könnte Trump erst 2019 für die Nobel-Würde vorgeschlagen werden.

 

 

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