Panorama / Unna

Panik wäre tödlich! Warum die Retter in Thailand so lange gewartet haben.

Höhlentauchen
Während der Ausbildung um Höhlentaucher kommt man häufig an seine Grenzen Foto: Barbara Röss

Genau in diesen Stunden läuft die Rettung der eingeschlossene Fußballmannschaft und ihres Trainers in Thailand. Bevor ich selbst meine Ausbildung zum Höhlentaucher gemacht habe, hätte ich mich sicher gefragt, worauf die eigentlich solange gewartet haben.

Eine Einschätzung über die Situation in Thailand von der Höhlentaucherin Barbara Röss aus Unna.

Selbst ohne die Details zu kennen, ist mir heute völlig klar, worin das Problem besteht. 2005 habe ich in den Cenoten von Yucatan meine 10-tägige Ausbildung zur Höhlentaucherin gemacht und es war hart. Richtig hart. Körperlich auch, aber vor allem mental.

„Beim Höhlentauchen gibt es einige besondere Schwierigkeiten.“ 

Das hatte mir damals mein Tauchlehrer Matt schon vor Beginn der Ausbildung erklärt. Ich musste ein regelrechtes „Vorstellungsgespräch“ mit ihm überstehen. Fast eine Stunde lang hat er mich verhörmäßig befragt: „Wenn ich mit dir in eine Höhle gehe, dann hängt auch mein Leben von dir ab. Wenn du durchdrehst, gibt es keinen Weg da raus. Und das könnte für uns beide den Tod bedeuten.

„Panik ist tödlich.“ 

Besonders Freiwasser-Taucher vergessen gerne, dass es hier KEINEN Panik-/ Notaufstieg gibt. Eine Höhle hat eine Decke. Jemand, der so sehr in Panik ist, dass er versucht mit den Fingern die Höhlendecke aufzureißen (so etwas gibt es immer wieder), wird zur Gefahr für alle anderen Taucher um ihn herum.

Es hat angefangen zu nieseln. Den Rettern bleibt keine Zeit die Jungs weiter vorzubereiten. Mir stellt sich die Frage:

Wie sollen die Jungs das mental schaffen, wenn sie körperlich schon so geschwächt sind?

Jemand, der in einer Restriktion (einer engen Stelle) stecken bleibt, und sei es nur aus Angst, versperrt den Weg für alle anderen. Auch für die Retter.

Durch eine enge Stelle tauchen zu müssen, erfordert, dass man das Atemgerät abnimmt vor sich herschiebt, sich selbst hindurch zwängt und das Gerät dann wieder aufsetzt. Ich kann nur erahnen wie schwer das für eine Menschen sein muss, der darin keine Übung hat. Vor allem aus mentaler Sicht. Es war für mich damals mit der Erfahrung von über 300 Freiwasser-Tauchgängen schrecklich.

„Höhlentauchen ist Kopfsache.“

Das hatte mir Matt immer wieder eingetrichtert. Damals war ich an einem Kurstag nicht so gut drauf. „Mit deiner Laune ist ein Tauchgang lebensgefährlich“, hatte er damals zu mir gesagt und mich nach Hause geschickt. Kaum vorstellbar wie die Helfer die Mannschaft und ihren Trainer darauf vorbereiten wollen. Zumal sich die Nachricht vom Tod des Navy Offiziers sicher herumgesprochen hat.

„Angst ist beim Höhlentauchen dein größter Feind.“

Jemand, der nicht weiter tauchen will oder kann, bringt seine Retter in eine unmögliche Situation. Atemluft ist begrenzt!

„Im schlimmsten Fall musst du eine grausame Entscheidung treffen.“

Das hat Matt damals zu mir gesagt. Ich weiß noch, wie sich mein Magen damals zusammenzog. Aber ja: Als Höhlentaucher muss ich im Zweifelsfall meinen Buddy zum Sterben zurücklassen. Das hört sich so hart an, wie es ist.

Genau aus diesem Grund gibt es beim Höhlentauchen unglaublich viele Sicherheitsvorkehrungen – z. B. sobald jemand das Gefühl bekommt „Ich schaffe das hier nicht mehr“, kehrt die ganze Gruppe auf ein Handzeichen um. Der Tauchgang wird abgebrochen. Diese Chance haben die Jungs nicht mehr, sobald ihr mehrstündiger Rettungs-Tauchgang beginnt.

Mein Herz wird schwer, wenn ich darüber nachdenke, was für eine harte Reise die Teenies und ihr Trainer jetzt vor sich haben. Mein längster Tauchgang war „nur“ drei Stunden. Mir war zwei Stunden davon bitter kalt, obwohl ich einen guten Tauchanzug trug. Wenn ein Profi fünf bis sechs Stunden braucht … wie lange braucht dann wohl eine Gruppe geschwächter Teenager? Du kriegst kein Pause. Die Kälte ist schrecklich. Sie lähmt. Sie macht Angst.

Meine einzige Hoffnung ist, dass die Jungs – selbst nach zwei Wochen Tortur – diesen rettenden Tauchgang noch als Abenteuer und Herausforderung sehen. Und hoffentlich alle überstehen.

 

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