Essener Chirurg weiter in U-Haft +++ Vorwurf: Totschlag und fünf gefährliche Körperverletzungen +++ Dunkelziffer unbekannt

Durch den Streik kam es auch zu Ausfällen im OP Foto: Symbolbild / INFORMER

Der Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Essen sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Essen wirft dem Mediziner Totschlag in einem und gefährliche Körperverletzung in fünf weiteren Fällen vor sowie Verstöße gegen das Transplantationsgesetz in zweien dieser Fälle. Ob diese Liste bereits Anspruch auf Vollständigkeit hat, ist bislang noch unklar. Geprüft wurde derzeit nur ein Zeitraum bis 2015.

Konkret geht es um Lebertransplantationen. Dem Beschuldigten soll in allen Fällen bewusst gewesen sein, dass das Risiko einer solchen OP höher war als das Risiko der Erkrankungen. Zudem hätte es risikoärmere Behandlungsmöglichkeiten mit guter Prognose für die Patienten gegeben. Dennoch soll der 61-jährige Direktor der Klinik in den Jahren von 2012 bis 2015 selbst die Transplantationen durchgeführt bzw. zugelassen haben, dass andere Ärzte an der Klinik diese durchführen.

„Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen war der Beschuldigte Ende 2014 selbst an einer solchen, nicht indizierten Transplantation beteiligt, die zum Tode des Patienten geführt haben soll“, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft Essen. Diese wurde hellhörig aufgrund eines 2017 vorgelegten Berichts der sogenannten Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) für Transplantationszentren. Aus diesem Bericht ging ein Anfangsverdacht wegen möglicher Vergehen nach dem Transplantationsgesetz hervor. Krankendaten seien gegenüber der Koordinierungsstelle Eurotransplant gefälscht worden. Im Zuge ihrer Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft einen renommierten Sachverständigen mit der Auswertung von beschlagnahmten Krankenunterlagen beauftragt. Seine Auswertung führte schließlich zu dem Tatverdacht, dass teilweise Transplantationen ohne Indikation durchgeführt worden seien.

Weitere Fälle nicht ausgeschlossen

Dies ist der aktuelle Stand der Ermittlungen. „Weitergehende Erkenntnisse gibt es derzeit noch nicht“, erklärte Oberstaatsanwältin Anette Milk heute auf Nachfrage des Redaktionsnetzwerks INFORMER. Schon zuvor räumte sie aber ein, dass es nicht ausgeschlossen sei, dass es auch nach dem Jahr 2015 zu weiteren Fällen von nicht indizierten Transplantationen kam.

„Aufgrund des laufenden Verfahrens können wir zum derzeitigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen“, teilte die Pressestelle des Universitätsklinikums mit. Man werde aber zur Aufklärung der Vorwürfe vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. lr

 

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