Gründerszene: Das Ruhrgebiet soll der Talent-Inkubator in Deutschland werden

Ein Beispiel für 11 Talent-Tage im Ruhrgebiet ist der Infotag bei "RuhrChem" im vergangenen Jahr.
Ein Beispiel für 11 Talent-Tage im Ruhrgebiet ist der Infotag bei "RuhrChem" im vergangenen Jahr. Foto: Regionalverband Ruhr

Jungen Menschen nicht nur berufliche Orientierung geben, sondern auch ihre Initiativen fördern – dafür steht die ‚TalentMetropole Ruhr‘. Das erklärte Ziel: Das Ruhrgebiet soll zur innovativsten Bildungs- und Wissensregion Deutschlands aufsteigen, in der alle Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die gleichen Chancen haben. Dies ist das Ziel der neuen Initiative, die der ‚Regionalverband Ruhr’, ‚RuhrFutur’ und die ‚TalentMetropole Ruhr’ heute in Essen vorgestellt haben.

„Die wichtigste ökonomische Ressource liegt in unseren Köpfen: Bildung ist der Schlüssel“, weiß Bärbel Bergerhoff-Wodopia. Die Bildungsbeauftragte des Initiativkreises Ruhr und Vorstand der RAG Stiftung sieht große Potentiale für junge Menschen im Revier, obgleich vielen gleichwohl die Grundlage aus dem Elternhaus fehle: „Viele Jugendliche haben keine Vorstellung davon, was sie später beruflich machen sollen. Sie finden keinen Zugang; viele wissen nicht, wo ihre Stärken liegen. Häufig fehlen Vorbilder.“

Zum Auftakt bringt der Kongress ‚ZukunftsBildung Ruhr 2018’ am 20. und 21. September mehr als 600 Fachleute aus Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in der Philharmonie Essen zusammen. Der öffentliche Kongress steht im Mittelpunkt der ‚TalentTage Ruhr 2018’, die vom 19. bis 29. September gleichzeitig in 27 Städten innovative Angebote der Nachwuchsförderung präsentieren. An elf Talent-Tagen bieten die Partner in den Kommunen mit Unterstützung der RAG Stiftung und Stiftung Mercator ein breites Spektrum an Einblicken in Unternehmen und Initiativen sowie Bildungsprojekte. „Die Talent-Tage sind in jeder zweiten Stadt des Ruhrgebiets präsent“, verdeutlicht Bergerhoff-Wodopia.

200 Veranstaltungen mit etwa 40.000 Teilnehmern

’11 Tage für Talente‘ zählen zu den insgesamt 140 Partnern der ‚TalentMetropole Ruhr‘, die sich im Rahmen der ‚TalentTage Ruhr‘ engagieren. Insgesamt rund 200 Veranstaltungen bieten den etwa 40.000 teilnehmenden Kindern, Jugendlichen, Studierenden, Eltern, Lehrern und weitere Bildungsexperten Einblicke – so viele wie noch nie. Initiativen, Hochschulen, Unternehmen, Kommunen, Kammern und Vereine zeigen, wo Talente zu finden sind und wie Nachwuchsförderung dank individueller Bildungsangebote gelingt. Das Angebot umfasst unter anderem Bewerbertrainings, Messen zu Ausbildung und Studium, Tage der offenen Tür, Workshops zur Selbstbehauptung von Kindern oder Coachings für Eltern. Weitere Höhepunkte sind die Verleihung des ‚TalentAward Ruhr’ für erfolgreiche Projekte in der Nachwuchsförderung am 20. September sowie die ‚WissensNacht Ruhr’ des RVR am 28. September.

Sie wollen die Bildungschancen von jungen Menschen im Ruhrgebiet verbessern (von links): Ulrike Sommer, Oliver Weimann, Bärbel Bergerhoff-Wodopia und Karola Geiß-Netthöfel.
Sie wollen die Bildungschancen von jungen Menschen im Ruhrgebiet verbessern (von links): Ulrike Sommer, Oliver Weimann, Bärbel Bergerhoff-Wodopia und Karola Geiß-Netthöfel. Foto: TalentMetropole Ruhr

Erstmals im Programm ist die ’startupweek:RUHR‘. Die größte dezentrale Veranstaltungsreihe von und für digitale Startups im Ruhrgebiet wird koordiniert vom ‚ruhr:HUB‘, der zentralen Anlaufstelle für digitale Wirtschaft in der Region. „Wir kümmern uns um Talente, um Unternehmenstalente“, betont Oliver Weimann, Geschäftsführer der ‚Ruhr:HUB GmbH‘. Er ist sich sicher: „Junge Unternehmen und Gründer bekommen immer mehr Bedeutung; die Szene wird größer.“ Das Unternehmer-Talent werde im Ruhrgebiet und in Deutschland gleichwohl noch immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Die ‚startupweek:RUHR’ setze hier an. Sie führe junge, motivierte Menschen aus Schule und Studium mit spannenden Angeboten an das Thema Gründung heran.

Auf die besonderen Herausforderungen dieser Region reagieren

„Wir können einen Aufbruch im Ruhrgebiet am Ende nur gemeinsam erreichen“, ergänzt Ulrike Sommer, Geschäftsführerin der RuhrFutur gGmbH. Ihre Gesellschaft ist Trägerin von RuhrFutur, der gemeinsamen Bildungsinitiative von Stiftung Mercator, NRW-Landesregierung, Regionalverband Ruhr, Kommunen und Hochschulen für das Ruhrgebiet. Ziel der Initiative ist die Verbesserung des Bildungssystems in der Metropole Ruhr, um allen Kindern und Jugendlichen im Ruhrgebiet Bildungszugang, Bildungsteilhabe und Bildungserfolg zu ermöglichen. Besonders erfreut zeigt sich Sommer über die hohe Teilnehmerzahl: „Wir haben für den Kongress ZukunftsBildung Ruhr bisher 700 Anmeldungen; für 500 Personen wurde ursprünglich kalkuliert – ein toller Erfolg.“

„Künftig werden die Unternehmen dahingehen, wo die Fachkräfte sind“, bekräftigt Geiß-Netthöfel. Und das könne durchaus das Revier an Rhein und Ruhr sein, wie Bärbel Bergerhoff-Wodopia weiß: “Wir haben die dichteste Hochschullandschaft, die man sich in der Bundesrepublik vorstellen kann. Unser erklärtes Ziel ist es, die Gründerszene weiter aufzubauen, etwa am Standort Zollverein.“ Karola Geiß-Netthöfel, Regionaldirektorin des Regionalverband Ruhr, zeigt sich bei der Bandbreite der angebotenen Aktivitäten ebenfalls euphorisch, denn: „Wir müssen auf die besonderen Herausforderungen dieser Region reagieren. In die Offensive gehen heißt für mich nicht lauter neue Projekte zu initiieren, sondern die guten aus den Kommunen in die Praxis umzusetzen.“ Und genau das will die Initiative leisten, einen Zukunftsbeitrag.

Weitere Beispiele der Veranstaltungen der TalentTage sind etwa: ein Hochschul-Speed-Dating, die ‚SchülerUni‘, Bewerbungschecks sowie der Tag der offenen Türe für Chemie. Weitere Informationen zu allen Angeboten gibt es unter: www.zukunftsbildung.ruhr und www.talenttageruhr.de.

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