Panorama / Deutschland

Karriere-Aus! Was kommt eigentlich nach dem Fußball?

Schon die 2:1-Niederlage beim Testspiel gegen Österreich vor der WM ließ nicht viel Hoffnung auf die Titelverteidigung übrig. Für einige Spieler wird es wohl die letzte WM gewesen sein. Doch was machen die Profis, wenn sie die Fußballschuhe an den Nagel hängen?
Schon die 2:1-Niederlage beim Testspiel gegen Österreich vor der WM ließ nicht viel Hoffnung auf die Titelverteidigung übrig. Für einige Spieler wird es wohl die letzte WM gewesen sein. Doch was machen die Profis, wenn sie die Fußballschuhe an den Nagel hängen? Foto: Granada [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], vom Wikimedia Commons

Die Testspiele vor der WM 2018 waren schon ein Ausblick darauf, was in Russland folgen sollte: Das erstmalige Vorrunden-Aus in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft – als Gruppenletzter. Für einige der Spieler wird es wohl das letzte große Turnier gewesen sein. Nicht allein wegen des frühen Ausscheidens, sondern auch wegen des Alters. Mario Gómez ist in den vergangenen Tagen 33 geworden und Sami Khedira ist nur zwei Jahre jünger. Unwahrscheinlich, dass sie in vier Jahren bei der WM in Katar im Nationaldress auflaufen werden. Doch was macht ein Profi-Fußballer eigentlich, wenn er die Karriere an den Nagel hängt?

Dieser Frage ist der private Bildungsanbieter WBS nachgegangen. Er hat untersucht, was die deutschen WM- oder EM-Teilnehmer seit 1998 heute beruflich machen. Das Ergebnis: 15 von 66 analysierten Spielern sind aktuell als Unternehmer tätig, 13 sind TV-Experten und ein ehemaliger Spieler ist mittlerweile Politiker.

Insgesamt haben sich 29 von 66 Spielern mindestens einmal als Trainer einer Fußballmannschaft versucht. Heute gehen jedoch nur noch 13 von ihnen dieser Tätigkeit nach. Der Bekannteste von ihnen ist Andreas Köpke. Als Torwarttrainer ist er der deutschen Nationalmannschaft erhalten geblieben. Die meisten Ex-Profis aus der Nationalmannschaft, die heute als Trainer agieren, trainieren hingegen meist Jugendmannschaften oder Teams aus den unteren Spielklassen. Der einzige Trainer, der aktuell als Chefcoach in einer ersten Liga angestellt ist, ist Markus Babbel. Er trainiert momentan die Western Sydney Wanderers aus der A-League in Australien.

Trainee statt Trainer: Clemens Fritz schnuppert bei Werder Bremen rein

Clemens Fritz absolviert derweil eine zweijährige Trainee-Ausbildung bei Werder Bremen. Auch andere Spieler bildeten sich nach der Karriere noch einmal weiter: Die ehemaligen Konkurrenten Oliver Kahn und Jens Lehmann haben beispielsweise ein BWL- beziehungsweise VWL-Studium absolviert. Heiko Westermann, der gerade erst seine Karriere beendet hat, absolviert aktuell ein Studium im Bereich Sportmanagement im Rahmen einer Kooperation von der Universität St. Gallen mit Schalke 04.

TV-Stars in China

Einige ehemalige Spieler sind heute hingegen noch immer regelmäßig im Fernsehen zu sehen – und das nicht nur in Deutschland. So sind Jens Nowotny und Arne Friedrich kleine TV-Stars in China. Als Reporter berichten sie seit 2014 für diverse chinesische Medien aus den WM-Austragungsorten. Thomas Helmer moderiert momentan eine Fußball-Talkshow und 13 weitere Spieler sind immer wieder als TV-Experten für verschiedene Fernsehsender im Einsatz.

„Da Fußballprofis in der Regel mit spätestens 40 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel hängen müssen, ist eine zweite berufliche Karriere für viele von ihnen äußerst spannend“ , kommentiert Joachim Giese, Vorstand der WBS GRUPPE, die Analyse. „Es ist natürlich wenig überraschend, dass die meisten ehemaligen Spieler dem Sport erhalten blieben und heute eine Job in einer Fußballmannschaft haben, als TV-Experte im Fernsehen zu sehen sind oder als Unternehmer im Sportbereich aktiv sind.”

Vom Spieler zum Unternehmer

Die meisten ehemalige Nationalspieler sind derweil als Unternehmer in verschiedenen Bereichen tätig. Während Carsten Ramelow Teilhaber einer Eventfirma ist, betreibt Mike Hanke eine Fußball- und Lifestyle-App. Simon Rolfes ist Gesellschafter bei der GoalControl GmbH. Das kamerabasierte System zur Ballverfolgung – kurz Torlinientechnik – wird zurzeit in den französischen sowie portugiesischen Ligapokal-Spielen eingesetzt.

Ungewöhnliche Wege: Paulo Rink ist Regionalpolitiker in Brasilien, Tim Wiese war Wrestler

Der eingebürgerte brasilianische Stürmer Paulo Rink ist heute als Kommunalpolitiker in seiner Heimatstadt Curitiba im Südosten Brasiliens tätig. Eine zweite sportliche Karriere strebte währenddessen nur ein ehemaliger Nationalspieler an: Tim Wiese absolvierte in den USA eine Ausbildung als Profi-Wrestler und trat 2016 unter dem Kampfnamen “The Machine” in einem Schaukampf in Deutschland auf. Kurz darauf beendete er seine Karriere jedoch wieder.

„Generell bestätigen die verschiedenen Berufswege der analysierten Nationalspieler eindeutig, dass ein Leben nach dem Sport möglich ist. Und zwar auch in Führungspositionen, die von den meisten Nationalspielern besetzt werden“, so Giese.

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