Texel – Ganz Holland auf einer Insel

Robbe
Einfach nur niedlich: die kleinen Robben im Ecomare. Foto: Beatrix Gutmann

Es gibt weder eine Brücke noch einen Tunnel um vom niederländischen Den Helder auf die Nordseeinsel Texel zu gelangen. Eine Autofähre bringt die Besucher ganz bequem in 20 Minuten vom Festland auf die Insel und vom Fährhafen entweder mit dem Bus, oder mit dem Auto bis zum Hauptort Den Burgh. Von hier aus kann die Reise beginnen.

Auf Texel leben rund 14.000 Menschen und 30.000 Schafe erzählt uns Arnold Langeveld, der nicht nur das Hotel Texel gegründet hat, sondern auch viel über seine Heimatinsel weiß. Humorvoll berichtet der Mann mit dem vollen dunklen Haar und der Brille über seine Insel, die ca. 16.000 Hektar groß ist und unter dem Meeresspiegel liegt. “Keiner macht sich Gedanken darüber, dass wir trotzdem trockene Füße haben”, sagt er.

Jährlich werden 44 Mio. Liter Wasser mit modernen Pumpen abgesaugt, das übernahmen früher Wasser-Windmühlen. So konnte Polderland gewonnen werden, das überaus fruchtbar ist und auf dem viele regionale Produkte produziert werden: Shitaake-Pilze, Champinons, Spargel und natürlich Kartoffeln. Es gibt ein lokales Bier, das auf der Insel gebraut wird und seit neuestem versucht man sich in Whisky. Das Fleisch der Texel-Schafe, Milch und Käseprodukte sowie Kosmetika sind Exportprodukte, auf die die Bewohner stolz sind.

Willkommensgruß
Herzlich Willkommen. Foto: Beatrix Gutmann

160-170 Mio. Euro werden jährlich durch den Tourismus verdient, 80 Mio. Euro erzielt die Landwirtschaft und fast 30 Mio. Euro bringt die Fischerei der Insel.

Trotz der vielen Schafe, spielen die wirtschaftlich eher eine geringere Rolle, obwohl das Fleisch der Texel-Schafe weltweit berühmt ist.

Ecomare und seine Robben

Wer schon mal auf Texel war, wird am Ecomare nicht vorbei kommen. Das Highlight sind die gestrandeten Robben-Babys, die hier wieder aufgepäppelt und später ins Meer zurück gebracht werden. Da gibt es schon mal verzückte Ohs und Ahs, wenn sie mit ihren riesigen Augen die Besucher bettelnd anschauen, die selbstverständlich der Fütterung beiwohnen können. Aber auch verletzte Seevögel werden hier gesund gepflegt und gelegentlich sogar Kaninchen.

Das Museum gibt Skelette von Walen, die vor Texel gestrandet sind, eine letzte Heimat und im Aquarium können Schweinswale, Rochen und viele andere Fische beobachtet werden.

Wer die Arbeit von Ecomare unterstützen möchte, kann z.B, eine Patenschaft übernehmen.

Robbe im Ecomare
Die kleinen Robben werden in der Aufzuchtsation Ecomare Texel liebevoll aufgezogen. Foto: Beatrix Gutmann

De Bonte Belevins

Idyllisch und einladend liegt De Bonte Belevins in der Nähe von Den Hoorn. Hier wird so ziemlich alles hergestellt, was sich herstellen lässt. Joschka (47) zeigt uns den Hof und wir erleben eine interessante Führung, ein Schaf, das mit dem Schwanz wedelt und jede Menge Handwerkskunst, wie:

  • Seife oder Papier herstellen
  • Brot und Kuchen backen
  • Käse herstellen
  • Kräuter ziehen
  • Tee mischen
  • Bier brauen
  • und Whisky destillieren.

Eigentlich kann man hier Wochen verbringen, ohne Langeweile zu verspüren. Gruppen von Schülern und Erwachsenen kommen aus diesen Gründen zu de Bonte Belevins um Dinge zu lernen.

Alles was hier wächst ist nachhaltig und biologisch und wird aus natürlichen Zutaten hergestellt. Es gibt eigene Bierkreationen mit verschiedenen Alkohol-Gehalt, zwischen 6 und 10 % Alkohol, eine davon ist Sanddornbier. Schon mal probiert?

Die Idee, einen Whisky zu destillieren, kam Joschka und seinen Kollegen vor etwa 5 Jahren, also haben sie es einfach ausprobiert und waren der Meinung, dass es funktionieren könnte. Finanziert wird dieses Vorhaben als Crowdfunding Projekt, dazu wurden 600 Anteile á 100 Euro verkauft. Wenn der Whisky abfüllbereit ist, bekommt jeder Anteilseigner 3 Liter des Whiskys. Allerdings muss der noch einige Jahre reifen.

Joschka und sein Bier
Joschka und sein Bier: Selbst gebraut schmeckt es am besten. Foto: Beatrix Gutmann

Der verrückte Holländer

„Die Pflanze zeigt schon, wenn sie zuviel Salzwasser bekommt”. Das sagt Marc van Rijsselberghe. Was er geschafft hat, könnte revolutionär sein, denn seine Pflanzen widerstehen dem Salzwasser. Dazu bedarf es viele Jahre der Forschung und des Ausprobierens und zwar solange, bis die widerstandsfähigste Pflanze gefunden ist. Insbesondere Kartoffeln zeigen hier eine hohe Salzresistenz. Stirbt die Pflanze, ist zuviel Salz im Wasser. Es bleiben ca. 30 % übrig, davon sind 3-4 % genießbar. Sogar Erdbeeren, Tomaten, Möhren, Paprika und Eiskraut gedeihen unter Salz und zwar 100 % biologisch. Marc hat bereits verschiedene Projekte in Ägypten, Bangladesch und Indien erfolgreich begleitet. Es ist unnötig aus dem Salzwasser Frischwasser zu gewinnen, sagt er und arbeitet mit dem Meerwasser, seine Beharrlichkeit gibt ihm recht. In Pakistan gab es bereits die erste Kartoffelernte von Böden, die mit Salzwasser bewässert wurden. Das könnte eine revolutionäre Wende für das Hungerproblem in der Welt werden.

Wer so hartnäckig und voller Energie daran glaubt, wie Marc, der hat Erfolg. Dieser Mann ist ein charmantes und humorvolles Energiebündel. Was soll da passieren?

Die Pflanzen auf Texel werden mit Seewasser gewässert.
Die Pflanzen auf Texel werden mit Seewasser gewässert. Foto: Beatrix Gutmann

De Cocksdorp – Leuchtturm und Meer

Ganz im Norden liegt de Cocksdorp mit dem Wahrzeichen Texels, dem Leuchtturm. Er ist 150 Jahre alt und 35 Meter hoch. Eine Besichtigung ist möglich, wenn man bereit ist, die vielen Treppen hinaufzulaufen.

Die Aussicht über das Wattenmeer entschädigt und lässt die Anstrengung schnell vergessen. Für Vogelbeobachter ist das Dünengebiet bei de Cocksdorp ein wahres Paradies. Seltene Vogelarten lassen sich hier beobachten. Im Dorf gibt es ein Vogelinformatiecentrum in dem Vogelexkursionen angeboten werden. Also nicht wundern, wenn Menschen mit Stativen und großen Objektiven durch die Landschaft marschieren.

Es gibt neben einer Ferienanlage einige nette Läden, Restaurants und Cafes. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Leuchtturm de Cocksdorp
Das Wahrzeichen Texels: Der Leuchtturm in de Cocksdorp. Foto: Beatrix Gutmann

Noch ein Tipp: Das Maritiem & Jutters Museum in Oudeschild zeigt die Geschichte der Insel. In einem Modell von 1:87 wurde das Dorf nachgestellt, wie es ca. 1750 als Anlegestelle für viele Seeschiffe galt. Von hier aus ging es in die neue Welt.

Das Museum in Oudeschild.
Das Museum in Oudeschild. Foto: Beatrix Gutmann

Texel, das ist nicht nur Holland in klein, sondern Erholung, Entspannung und Abenteuer in ganz groß. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit.

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