Panorama / Köln

BAMF verschläft Frist: Kölner Geiselnehmer hätte längst abgeschoben werden können

In der Einkaufspassage des Kölner Hauptbahnhofs nahm am vergangenen Montag ein 55-jähriger Syrer eine Geisel. Zuvor zündete er in einem Schnellrestaurant einen Molotowcocktail.
In der Einkaufspassage des Kölner Hauptbahnhofs nahm am vergangenen Montag ein 55-jähriger Syrer eine Geisel. Zuvor zündete er in einem Schnellrestaurant einen Molotowcocktail. Foto: Symbolbild / pixabay

Der Geiselnehmer vom Kölner Hauptbahnhof, der zunächst mit einem Molotowcocktail ein Mädchen schwer verletzte, eine Geisel in Brand zu stecken drohte und sich zur Terrororganisation IS bekannte, hätte möglicherweise längst nicht mehr in Deutschland sein sollen. Dass er in der Bundesrepublik ihn dennoch anerkannte, soll nach neuesten Informationen daran gelegen haben, dass die zuständige Behörde eine Frist verschlafen hat.

Anfang 2015 sei der 55-jährige Syrer, der beim Zugriff durch die SEK-Beamten lebensbedrohlich verletzt wurde und derzeit im Koma liegt, in die EU eingereist. Allerdings nicht direkt nach Deutschland, sondern über Tschechien, wo er vor seiner Weiterreise in die Bundesrepublik auch Asyl beantragte. Im März des gleichen Jahres stellte er erneut einen Asylantrag – dieses Mal in Deutschland. Hier hätte die zuständige Behörde, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), hellhörig werden müssen. Denn nach Dubliner Abkommen ist das EU-Land für das Asylverfahren zuständig, in dem der Antragsteller zum ersten Mal registriert wurde.

Im Fall des 55-Jährigen hätte das BAMF ihn also nach Prag überstellen müssen. Nach Informationen des ‚Kölner Stadt-Anzeigers‘ habe das BAMF jedoch die Frist für die Rücküberführung schlichtweg versäumt. Dadurch sei die Überführung des Syrers in das Ankunftsland Tschechien nicht mehr möglich gewesen. Nach Angaben der Zeitung erfolgte daher im Juni 2015 die Anerkennung in Deutschland. Das BAMF in Nürnberg habe dazu bislang keine Stellungnahme abgegeben.

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