Dr. Stratmann: Der Abschied aus dem Rampenlicht ist beschlossene Sache

Dr. Stratmann und sein Programm ‘Pathologisch’ garantieren dem Theater auf dem Essener Kennedyplatz ausverkaufte Vorstellungen. Im sechsten und letzten Programm lässt auch sein Alter Ego „Jupp“ bei einem Unfall mit einem Stauder-Bierlaster sein Leben. Foto: Stratmanns Theater / Ludger Heitmann

Seit 1995 steht Ludger Stratmann als Dr. Stratmann mit seinem Kabarett auf der Bühne, präsentierte im Essener Stratmanns Theater und auf Tournee 20 Jahre lang fünf Programme in über 3.000 Vorstellungen und begeisterte die Zuschauer im WDR mit seinem Kneipentheater. Doch der Abschied aus dem Rampenlicht ist beschlossene Sache. Im Gespräch mit Peter Dettmer blickt der Doktor zurück auf seine Karriere und zieht Bilanz.

Der Stress des unsteten Lebens auf Tour ist an dem Kabarettisten nicht spurlos vorüber gegangen. “Ich habe gemerkt, dass ich früher drei bis vier Vorstellungen täglich geben konnte: Morgens um 10 in irgendein Hotel nach Münster, um vor dem Ärzteverein Quatsch zu machen, nachmittags zu irgendeinem Urologengeburtstag und da Spaß gemacht und abends auf die Bühne und volles Programm und bin danach noch ins Victorian Theater in Bochum und habe da auch noch eine volle Vorstellung gegeben. Heute merke ich, dass ich nach einer Vorstellung erschöpft bin, habe keine Lust mehr mich zu unterhalten, möchte nur noch mein Bierchen trinken und zu Bett gehen. Ich merke das Alter einfach und wusste, dass dieses Tourleben mit 300 Vorstellungen jährlich mir gesundheitlich schaden musste. Das tat es auch: Ich bekam einen Herzschrittmacher, schwere Wirbelsäulenbeschwerden und seitdem ich nicht mehr so übertreibe, geht es mir deutlich besser.”

Dr. Ludger „Jupp“ Stratmann: Der Kabarettist und Moderator begeisterte sein Publikum auch auf der Mattscheibe, vor allem im WDR. Nach 15 Jahren und rund 150 Ausgaben schloss sein Kneipentheater im Mai 2016 die Pforten. Foto: WDR / Herby Sachs

Dr. Ludger „Jupp“ Stratmann: Der Kabarettist und Moderator begeisterte sein Publikum auch auf der Mattscheibe, vor allem im WDR. Nach 15 Jahren und rund 150 Ausgaben schloss sein Kneipentheater im Mai 2016 die Pforten.

“Kein Schlagersänger, der den dritten Abschied gibt”

Dabei war der Abschied von der Bühne eigentlich schon 2013 beschlossene Sache mit der bundesweiten Abschiedstour unter dem Motto „Geheilt entlassen.“ Besteht also für die vielen Fans ein Funke Hoffnung, dass der Entschluss zum Ruhestand wieder nicht endgültig sein könnte? “Es fällt mir unglaublich schwer”, gesteht der Doktor: “Ich fahre nach Detmold und setze mich in ein Café und dann kommen die Fans. Es ist nicht leicht, sich von einem Publikum, dass mich 20 Jahre treu begleitet hat, einfach zu verabschieden. Zum Glück konnte ich immer sagen: Ich mache hier in Essen weiter. Es gibt inzwischen Reiseunternehmen, die fahren morgens nach Zollverein und abends zum Stratmanns. Ich bin kein Schlagersänger, der jetzt den dritten Tourabschied gibt.”

Der Herr Doktor geht in den Unruhestand…

“Meine Frau hat Angst, dass ich jetzt anfange Stühle zu rücken und in Schränken zu sortieren”, beschreibt der Mediziner schmunzelnd die Reaktion daheim in Bottrop auf die Entscheidung. “Aber noch habe ich ja reichlich zu tun.” Die neu gewonnene Freizeit ist derweil schon wieder verplant: “Ich würde gerne für unser tolles Schauspieler-Ensemble im Europahaus ein medizinisches Ruhrgebietsstück schreiben, ohne mich als Frontmann. Ein Stück, dass so erfolgreich werden soll wie zum Beispiel Caveman, dass bei uns seit zehn Jahren läuft. Es gibt Stücke, die kann man über einen langen Zeitraum spielen und das wäre so ein Wunsch für mein Theater.”

Doktor Stratmann im Gespräch mit Peter Dettmer. Gemeinsam mit seinem Bruder Christian eröffnete Ludger Stratmann im Dezember 1994 im ehemaligen Essener Amerikahaus das Stratmanns Theater, nachdem sie das marode Gebäude für 2.500.000 Euro saniert hatten. Foto: Dettmer

Doktor Stratmann im Gespräch mit Peter Dettmer. Gemeinsam mit seinem Bruder Christian eröffnete Ludger Stratmann im Dezember 1994 im ehemaligen Essener Amerikahaus das Stratmanns Theater, nachdem sie das marode Gebäude für 2.500.000 Euro saniert hatten.

Alte Schippervilla in Bottrop gekauft

Seiner Wahlheimat Bottrop hält der Spaßmacher ebenso die Treue, wie seinem Theater in der Essener Innenstadt: “Ich habe in Bottrop ein Haus gekauft, die alte, schöne Schippervilla. Ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude, das wunderschön von meinen Vorgängern wieder hergerichtet wurde. Mitten in der Stadt, neben mir eine Schule, ich höre die Autobahn. Mitten im Leben, das ist auch das, was ich brauche. Ich will nicht irgendwo im Grünen vor mich hin welken. Wenn ich welke, dann mit anderen Menschen zusammen.”

Sohn Philipp hat (k)eine Lücke im Spielplan…

Im Stratmanns Theater ist langfristig Neuplanung angesagt, schließlich wurden bisher rund 100 Vorstellungstage im Jahr von Dr. Stratmann ausgefüllt. “Wir müssen uns jetzt mehr um Gastkünstler bemühen. Das brauchten wir bisher nie. Mein Sohn Philipp hat ja das Theater übernommen und wird sehen, dass er diese Lücke füllt. Aber das Programm Pathologisch läuft so gut, das wird auch noch für einige Vorstellungen halten — dann ist aber auch gut. Ich will nicht als Greis auf die Bühne gehen und mitleidige Blicke ernten.”

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