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SPD-Urgestein Rudolf Dreßler über ‚seine‘ Partei: „Für wie bescheuert muss man den Wähler halten, ihm so einen Unfug vorzulegen!“

SPD-Urgestein Rudolf Dreßler rechnet bei Sandra Maischberger schonungslos mit ‚seiner‘ Partei ab.
SPD-Urgestein Rudolf Dreßler rechnet bei Sandra Maischberger schonungslos mit ‚seiner‘ Partei ab. Foto: © WDR/Max Kohr

Die zurückliegende Bayern-Wahl war ein herber Schlag ins Gesicht – nicht nur für die CSU. Die SPD rutschte bei der bayerischen Landtagswahl in den einstelligen Bereich ab. Und damit in die Bedeutungslosigkeit? Am gestrigen Mittwochabend ging Polit-Talkmasterin Sandra Maischberger in der ARD der Frage nach: Wer braucht noch Union und SPD? Dabei ging vor allem einer mit den Sozialdemokraten hart ins Gericht: SPD-Urgestein Rudolf Dreßler.

Dreßler war 1982 unter Kanzler Helmut Schmidt Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung. Dem Deutschen Bundestag gehörte der Sozialpolitiker von 1980 bis 2000 an, war ab 1987 sogar Vize-Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Der SPD trat er aber bereits 1969 bei. Damals, als mit Willy Brandt die Bundesrepublik Deutschland erstmals von einem sozialdemokratischen Kanzler regiert wurde.

Unter dem charismatischen Brandt konnte man bei der SPD mit Fug und Recht von einer großen Volkspartei sprechen. Und heute? „Wenn mir jemand aus der Parteispitze erzählt, mit neun Prozent in Bayern, mit zwölf Prozent in Thüringen, mit 16 Prozent auf Bundesebene sind wir noch Volkspartei, dann sage ich, man hat den Schuss nicht gehört“, urteilt Dreßler hart. Schlimmer aber noch als die eigenen Fehlwahrnehmung in der Partei findet der Sozialpolitiker die Erklärungsversuche nach der dramatischen Wahlschlappe in Bayern. „Das Schlimmste am Sonntagabend nach der Wahl an Erklärungen der SPD war: ‚Der Streit zwischen CDU und CSU hat unser Wahlergebnis ausgemacht‘. Für wie bescheuert muss man den Wähler halten, ihm so einen Unfug vorzulegen!“

„Frau Nahles im Bund ist die glatteste Fehlbesetzung.“

Bei diesen Worten wird Dreßler sogar richtig laut. Er ist wütend und enttäuscht zugleich. Das ist ihm anzumerken. Sigmund Gottlieb, zwölf Jahre lang Chefredakteur und Programmleiter Politik beim Bayerischen Rundfunk, kann ihm da nur beipflichten – und geht sogar noch einen Schritt weiter: „Frau Nahles im Bund ist die glatteste Fehlbesetzung seit Jahrzehnten. Sie hat es nicht im Kreuz, intellektuell nicht und auch führungstechnisch nicht.“

Merkel-Dämmerung durch Scheitern der SPD?

In der kommenden Woche steht die nächste wegweisende Landtagswahl an, dieses Mal in Hessen. Und sollten die beiden ‚großen‘ Parteien SPD und CDU dabei erneut desaströse Ergebnisse erzielen, prognostiziert Gottlieb bereits das Ende der GroKo in Berlin. Er gehe davon aus, dass die Sozialdemokraten dann die Koalition verlassen werden und Kanzlerin Merkel schon beim nächsten CDU-Parteitag im Dezember Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Partei-Chefin empfehlen wird. Denn Angela Merkel halte er für „für so intelligent, dass sie dann einen Plan B hat.“

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