Trumps Krieg gegen China: Hinter dem Streit verbirgt sich ein geostrategischer Plan

Donald Trump - Wie sieht seine Außenpolitik wirklich aus? Foto: Pixabay

Von Richard Kiessler – Der Krieg begann mit Strafzöllen gegen chinesische Solarpanelen und Waschmaschinen. Im Gegenschlag rächte sich China mit Importzöllen auf amerikanisches Schweinefleisch, Sojabohnen und Fisch. Seither dreht sich die Spirale im Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften,  twittert US-Präsident Donald Trump seinen Zorn über die schiefe Handelsbilanz, weil die USA im Jahr für 375 Milliarden US-Dollar mehr Waren aus China beziehen als umgekehrt die Chinesen aus den USA. 

Schon sausen die Börsenkurse in Asien nach unten, gerät das weltweite Finanzsystem unter Spannung, verlieren die chinesischen Aktienmärkte  bis zu 30 Prozent, während die amerikanischen noch halbwegs stabil bleiben. In China schrumpfen die Währungsreserven und die Investitionen für das Jahrhundertprojekt „Neue Seidenstraße.“ Allerdings zögert die Führung in Peking, seine amerikanischen Staatsanleihen im Wert von 1 200 Milliarden US-Dollar feilzubieten. Ein Verkauf würde den Dollar ins Trudeln bringen, Chinas Wuan-Währung exorbitant verteuern und die Importpreise nach oben treiben. Amerikas bislang verlässlichster Kreditgeber sucht trotz aller Vergeltungsschläge noch immer den Interessenausgleich und hat bei der Welthandelsorganisation (WTO) Klage gegen Trumps Feldzug eingereicht. Doch der ist längst zu einer Aufkündigung des pazifischen Friedens entschlossen.

Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für den INFORMER.
Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für das Redaktionsnetzwerk Informer. Foto: INFORMER

In Wahrheit geht es dem US-Präsidenten im Zollstreit nur vordergründig um die ungleiche Handelsbilanz. Trump hat längst einen geostrategisch geplanten Wirtschaftskrieg entfacht, um den schier unaufhaltsamen Aufstieg des Reiches der Mitte auszubremsen. Seine Parole „America first“ bedeutet eben auch, dass die USA ihre Vormacht-Rolle als wichtigster Staat der Erde verteidigen und den aufstrebenden Konkurrenten auf Dauer so schwächen, dass er dem Hegemon nicht das Wasser reichen kann.

Die  Weltgeschichte kennt etliche Beispiele derartiger Machtverschiebungen zwischen  aufstrebenden und  vorherrschenden Nationen. Statt Vernunft walten zu lassen und strategische Geduld führte die Rivalität in den meisten Fällen zum offenen Krieg. Das war im Altertum so zwischen Athen und Sparta und in der Neuzeit zwischen England und Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg. Dass sich nun die USA und China diesem Risiko aussetzen, birgt durchaus die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung. 

Schon werden die Töne schriller: Chinas Staatsmedien warnen vor einem Clash, falls die USA den Aufstieg der Volksrepublik behindere. Trumps Vize Mike Pence macht aus der „strategischen Gegnerschaft“ kein Hehl: China suche seinen Einfluss auf die ganze Welt auszudehnen und wolle einen „anderen Präsidenten“ im Weißen Haus. Und auch wenn der Trump-Getreue versichert, „Konkurrenz heißt nicht immer Feindschaft“, muss das beunruhigen. Denn die Konkurrenz der beiden Giganten um globalen Einfluss wird das 21. Jahrhundert prägen.

Zum Autor: Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für das Redaktionsnetzwerk Informer.

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