Vor Parlamentswahl in Afghanistan: Sprengstoffanschläge auf Abgeordnete und Delegationsbesuch im Berliner Parlament

Das afghanische Parlamentsgebäude in Kabul. Hier soll nach dem kommenden Samstag das neu gewählte Parlament seine Arbeit aufnehmen.
Das afghanische Parlamentsgebäude in Kabul. Hier soll nach dem kommenden Samstag das neu gewählte Parlament seine Arbeit aufnehmen. Foto: Guru chai [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

Vor den Parlamentswahlen in Afghanistan  überschlagen sich die Ereignisse. In den vergangenen Tagen kam es zu gleich mehreren Sprengstoffanschlägen auf die zur Wahl stehenden Kandidaten. Der letzte am gestrigen Morgen. Dabei kam der amtierende Abgeordnete und Kandidat Abdul Jabar Kahraman ums Leben. Heute besuchte zudem im Vorfeld der Wahl eine afghanische Delegation relativ spontan den Preußischen Landtag in Berlin. Währenddessen eröffnete im Gouverneursbüro in Kandahar ein Mann das Feuer.

Die Ereignisse in und um Afghanistan haben sich in dieser Woche überschlagen. Gleich mehrere Kandidaten für das am Samstag neu zu wählende afghanische Parlament kamen bei Anschläge ums Leben. Gestern, am letzten Tag des Wahlkampfes (gewählt wird nach dreijähriger Verzögerung am kommenden Samstag), wurde der Abgeordnete Abdul Jabar Kahraman Opfer der Attentäter. Um 9.30 Uhr Ortszeit detonierte in seinem Wahlkampfbüro in der Provinzhauptstadt Laschkar-Gah im Süden Afghanistans ein Sprengsatz. Laut ersten Informationen durch die BBC war der Sprengstoff unter Kahramans Bürostuhl angebracht worden.

Abdul Jabar Kahraman, Abgeordneter des afghanischen Parlaments, kam gestern bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben.
Abdul Jabar Kahraman, Abgeordneter des afghanischen Parlaments, kam gestern bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben. Foto: privat

Abdul Jabar Kahraman, Abgeordneter des afghanischen Parlaments, kam gestern bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben.

Der Leichnam Kahramans wurde in das Militärkrankenhaus in Kabul gebracht. Von dort aus wurde der Parlamentarier heute in Anwesenheit des afghanischen Präsidenten Dr. Ashraf Ghani zu Grabe getragen.

Regierungskritischer Polizeichef Kandahars durch Attentat getötet

Noch am selben Tag ereignete sich heute ein weiterer Anschlag. Im Büro des Gouverneurs der Provinz Kandahar eröffnete ein bislang unbekannter Mann das Feuer. Dabei kamen der Polizeichef General Abdul Razeq Atschekzai, der in der vergangenen Zeit häufig durch seine Kritik an der afghanischen Regierung auffiel, weitere Regierungsmitarbeiter sowie ein Journalist ums Leben. Auch der Befehlshaber der RS-Truppen, dem Nachfolger der ISAF, befand sich zum Zeitpunkt des Attentats im Büro des Provinz-Gouverneurs. Zwei ausländische Soldaten der RS-Mission wurden verletzt.

General Abdul Razeq Atschekzai, Polizeichef der afghanischen Provinz Kandahar, wurde heute bei einem Anschlag getötet.
General Abdul Razeq Atschekzai, Polizeichef der afghanischen Provinz Kandahar, wurde heute bei einem Anschlag getötet. Foto: privat

General Abdul Razeq Atschekzai, Polizeichef der afghanischen Provinz Kandahar, wurde heute bei einem Anschlag getötet.

Afghanische Delegation: Gespräche im Preußischen Landtag

Etwa zur selben Zeit befand sich eine afghanische Delegation auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Ursprünglich wollte man sich bereits am vergangenen Montag mit dem 1. Vizepräsidenten der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft (DAGeV), Marcel Luthe, treffen. Da Luthe selbst für die FDP Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin ist, lud er die Delegation zu sich in den Preußischen Landtag ein, wo Parlamentspräsident Ralf Wieland die Frauen und Männer aus Afghanistan persönlich begrüßte. Dafür wurde der Termin kurzerhand auf den heutigen Donnerstag verlegt.

Im Anschluss saß man noch einige Zeit im Hauptstadtbüro der DAGeV zusammen. Hintergrund des Gesprächs seien die Beziehungen zwischen der afghanischen und deutschen Wirtschaft wie auch die Arbeit der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft als solche gewesen, wie DAGeV-Präsident Elias Omar auf Nachfrage bestätigte.

DAGeV-Vizepräsident Marcel Luthe, MdA mit Mariam Safi, Mitglied der FES Afghanistan Policy Group, und Mirco Günther, Country Director Afghanistan der FES.
DAGeV-Vizepräsident Marcel Luthe, MdA mit Mariam Safi, Mitglied der FES Afghanistan Policy Group, und Mirco Günther, Country Director Afghanistan der FES. Foto: INFORMER

DAGeV-Vizepräsident Marcel Luthe, MdA mit Mariam Safi, Mitglied der FES Afghanistan Policy Group, und Mirco Günther, Country Director Afghanistan der FES.

Omar selbst hätte gerne an dem Gespräch teilgenommen, doch: „Zwischen der Stadt Masar-e Scharif und der Ruhrgebietsmetropole Essen bahnt sich derzeit unter Vermittlung durch die DAGeV eine wichtige Städtekooperation an. Diese Arbeit bindet mich momentan in Essen.“

DAGeV-Präsident Omar: „Meine Gedanken sind bei den Hinterbliebenen.“

Zu der aktuellen Anschlagsserie in seiner früheren Heimat – Omar kam 1989 als 14-Jähriger ohne seine Familie nach Deutschland – hat der DAGeV-Präsident eine ganz eigene Meinung: „Dass es in so kurzer Zeit zu so vielen Anschlägen kam, und das auch noch so kurz vor den ohnehin schon seit drei Jahren verschobenen Parlamentswahlen, ist dramatisch. Meine Gedanken sind bei den Hinterbliebenen der Opfer. Damit das Land jedoch endlich einmal zur Ruhe findet, braucht es eine stabile Wirtschaftslage. Diese ist für den Frieden im Mittleren Osten von immenser Bedeutung. Und dafür werden wir uns auch weiterhin mit der DAGeV stark machen. Doch nun ist es erst einmal sehr wichtig, dass die Parlamentswahlen in Afghanistan durchgeführt werden.“

Diesen Beitrag teilen

Mehr aus
Allgemein

Gutes tun mit bester Laune

Brost-Vorstand zog beim Stiftungstag auf Zeche Zollverein eine überaus positive Bilanz der geförderten Projekte 2018  Die Sonne senkte

Keine Inhalte gefunden

  • Vergewissern Sie sich, dass alle Wörter richtig geschrieben sind
  • Probieren Sie andere Suchbegriffe.