Panorama / Dortmund

Claudia Roth beim Journalistentag NRW: „Meinungsfreiheit wird zur Hetze missbraucht“

"Auf die Fresse": Wie Sprache im politischen Alltag verroht, war Thema von Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth beim Journalistentag NRW. Foto: Peter Dettmer

Der Deutsche Journalisten Verband NRW hatte am Samstag, 17. November 2018,  in die Sparkassenakademie Dortmund zum 15. Journalistentag NRW eingeladen und mit rund 500 Teilnehmern wurde die Veranstaltung zum größten Branchentreffen ihrer Art in Deutschland. Zum Auftakt begrüßte der Landesvorsitzende Frank Stach die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, die in ihrer Rede die Journalisten zur Wachsamkeit mahnte.

von Peter Dettmer

Schon in seiner Begrüßung betonte Frank Stach, der Umgang mit Journalisten im Land sei „in Schieflage“ geraten: „Es gibt Teile der Bevölkerung, die unsere Rechte nicht mehr akzeptieren“, so der DJV NRW-Vorsitzende, der als mahnende Beispiele die tätlichen Übergriffe auf Journalisten in Dortmund oder Chemnitz anführte und mit dem Appell schloss. „Man muss als Journalist und Bürger Flagge zeigen, wenn rote Linien überschritten werden.“

DJV NRW Vorsitzender Frank Stach konnte in der Sparkassen-Akademie Dortmund rund 500 Teilnehmer zum Journalistentag NRW begrüßen. Foto: Peter Dettmer

DJV NRW Vorsitzender Frank Stach konnte in der Sparkassen-Akademie Dortmund rund 500 Teilnehmer zum Journalistentag NRW begrüßen.

Dieser Position schloss sich auch Claudia Roth in ihrem Impulsvortrag zur Verrohung der Sprache, der politischen Kultur und dem Umgang der Medien an: „Die unabhängige Presse ist ein Grundnahrungsmittel unserer Gesellschaft. Wir sind international von Demokratie- und Rechtsstaatsverächtern umgeben.“ Auch in Deutschland sei das Selbstverständliche nicht mehr selbstverständlich: „Es gibt kaum eine Rede der AfD-Abgeordneten im Bundestag, die nicht einhergehe mit der Diskreditierung der Presse.“

„Die Grenze des Sagbaren wird immer weiter verschoben“

Die Bundestagsvizepräsidentin forderte auf: „Die Grenze des Sagbaren wird immer weiter verschoben, geben wir denen ein Gesicht, die viel zu wenig Stimme haben. Die Meinungsfreiheit wird zur Hetze missbraucht. Was hier gerade passiert ist kein Zufall, kein Spiel, kein Geplänkel – sondern ein gezielter Angriff auf die Grundlagen unserer Demokratie, auf Moral und Ethik, auf den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“ Roth rief auf, wachsam zu bleiben. Auch, wenn dies von allen in der Politik und den Medien ständige Aufmerksamkeit verlange. „Wir müssen die richtige Balance finden und konsequent weiter daran arbeiten, was die Menschen bewegt und beschäftigt. Zugleich aber müssen wir richtigstellen und aufklären, müssen Kontext herstellen.“

Claudia Roth beim Journalistentag in Dortmund im Interview mit der stellvertretenden DJV NRW-Vorsitzenden Andrea Hansen. Foto: Peter Dettmer

Claudia Roth beim Journalistentag in Dortmund im Interview mit der stellvertretenden DJV NRW-Vorsitzenden Andrea Hansen.

Sie selbst sei nicht bereit, ihre Positionen preiszugeben, betonte die Grünen-Politikerin auf Nachfrage der stellvertretenden DJV NRW-Landesvorsitzenden Andrea Hansen und beschrieb einen der widerwärtigsten Posts im Netz in ihre Richtung mit markanten Worten: „Der Tarif, Claudia Roth umzubringen, liegt derzeit bei 4.900 Euro.“

Insgesamt diskutierten die Teilnehmer über 20 aktuelle Themen, darunter die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Journalismus, wie „frei darf institutionelle Berichterstattung sein“, „was Pressekonzentration und die Ausrichtung des Öffentlich-Rechtlichen in Zeiten der Digitalisierung bedeuten“ und vieles mehr.

Claudia Roth nach ihrer Rede und der anschließenden Diskussion im Gespräch mit Peter Dettmer. Foto: Nora Hespers

Claudia Roth nach ihrer Rede und der anschließenden Diskussion im Gespräch mit Peter Dettmer.

Weitere prominente Gäste waren der Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski, und Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW. Sie und weitere hochkarätige Referenten aus Medien, Politik, öffentlichem Dienst und Wissenschaft diskutieren in Foren und Workshops Themen wie die Zukunftsfähigkeit des Lokalradios, Wirtschaftsjournalismus im Regionalen, die Entwicklung des Radiomarktes, sowie Mut, Medien und Verantwortung.

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