Panorama / Sulzbach

Die rührende Geschichte um Katzendame Sunny: Deshalb gehören Tiere nicht unter den Weihnachtsbaum

Keine Tiere unterm Baum! Auch die Tierschutzorganisation TASSO warnt davor, Vierbeiner zu verschenken.
Keine Tiere unterm Baum! Auch die Tierschutzorganisation TASSO warnt davor, Vierbeiner zu verschenken. Foto: Symbolbild / pixabay

„Plötzlich saß es auf dem Sofa. Dieses kleine, plüschige Katzenmädchen mit den großen Kulleraugen, ganz verloren zwischen den Polstern. „Mein Herz ist geschmolzen, aber im selben Augenblick bin ich auch wütend geworden“, erzählt Anja Schiller (Name geändert) von dem Moment, in dem sie die Babykatze Sunny zum ersten Mal sah. Die heute sechsjährige Samtpfote war ein Weihnachtsgeschenk. Ein Geschenk mit Folgen.

„Mein damaliger Freund hatte mir Sunny zu Weihnachten gekauft. Es gab sofort Streit“, erinnert sich Schiller. „Wie konnte er? Wir wollten zwar irgendwann in ferner Zukunft mal eine Katze haben, aber in diesem Moment, ohne mich einzuweihen, das war einfach das Letzte.“ Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit warnt auch die Tierschutzorganisation TASSO, die Europas größtes Haustierregister betreibt, vor den tierischen Weihnachtsgeschenken. „Die Entscheidung, ein Tier aufzunehmen, sollte gründlich durchdacht und mit allen Beteiligten besprochen werden“, erklärt TASSO-Leiter Philip McCreight.

Dennoch passiert es häufig, dass Menschen ihrem geliebten Partner oder Eltern ihren Kindern eine besondere Freude machen wollen und ein Haustier kaufen. Zunächst ist die Begeisterung riesig, das Kind liebt seinen neuen Gefährten und kümmert sich gut um ihn. Häufig lässt das Interesse jedoch schnell nach. Anderes wird wichtiger und die Arbeit bleibt an den Eltern hängen, die – und auch das sollte allen Eltern bewusst sein, ob ‚Weihnachtsgeschenk‘ oder nicht – auf jeden Fall und immer die Hauptverantwortung für das neue Familienmitglied tragen. Es kann aber auch sein, dass ein Kind einfach nicht weiß, wie es artgerecht mit dem Tier umgehen soll und deshalb seinen Bedürfnissen nicht gerecht wird.

Tiere kosten Zeit und Geld – manchmal mehr, als man erwartet

Aber nicht nur Kindern, auch Erwachsenen werden immer wieder Tiere geschenkt. Mit fatalen Folgen. Oft fehlt die Zeit, das Interesse oder die Lebensumstände ändern sich. So wie im Fall von Sunny und Anja Schiller. Wegen des Jobs des damaligen Partners war es keine Frage, dass Sunny nach der Trennung bei ihr leben würde. „Das war sowohl zeitlich als auch finanziell aber echt schwierig. Sunny ist eine große Katzendame, entsprechend kostet ihr Unterhalt natürlich. Auch die Tierarztkosten haben mich damals ganz schön in Bedrängnis gebracht“, berichtet die Katzenmutter wider Willen. „Ich stand auch schon vor der Entscheidung, sie abzugeben. Ich liebe sie und will nur das Beste für sie. Aber wenn ich nicht das Beste für sie bin, muss ich so verantwortungsbewusst sein, ein Zuhause für sie zu finden, in dem sie kriegt, was sie verdient.“

„Mein Leben war nicht darauf ausgerichtet.“

Zum Glück ist diese besonders schwierige Zeit für Katzendame Sunny und ihre Halterin mittlerweile überstanden. Aber das Beispiel von Sunny und Anja Schiller zeigt, wie weitreichend die Folgen eines ‚Geschenks‘ sein können. „Vermutlich hätte ich sofort darauf bestehen sollen, sie zurückzugeben“, reflektiert die Sunnys Halterin heute. „Aber ich war jung und unerfahren, und ich liebe sie seit dem ersten Tag. Trotzdem, mein Leben war nicht darauf ausgerichtet.“ So hätte sie zum Beispiel einer Katze immer Freilauf bieten wollen. „Stattdessen lebten wir in einer Stadtwohnung nahe der Straßenbahn. Freigang war unmöglich.“ Heute hätte Sunny zu große Angst vor der Welt draußen. „Es war unfair von meinem Exfreund, dass er ihr das angetan hat. Und mir“, konstatiert Anja Schiller. Denn nun hat sie ein Katzenleben lang die Verantwortung für dieses Lebewesen. Mit allem, was dazu gehört.

„Wenn im neuen Jahr Ruhe eingekehrt ist, kann die Suche nach Ihrem vierbeinigen Begleiter losgehen.“

TASSO-Leiter McCreight rät daher allen, die sich für tierischen Zuwachs entschieden haben: „Nutzen Sie die besinnlichen Tage, um sich Gedanken über das Bevorstehende zu machen. Erstellen Sie gemeinsam Listen, was Sie alles für ihren tierischen neuen Freund benötigen. Legen Sie fest, wer dauerhaft welche Aufgaben übernehmen wird, und bereiten Sie sich vor. Wenn im neuen Jahr Ruhe eingekehrt ist, kann die Suche nach Ihrem vierbeinigen Begleiter losgehen.“ Außerdem empfiehlt McCreight, sich vor allem auch in Tierheimen vor Ort und/oder im Online-Tierheim ‚shelta‘ umzuschauen. „Dort warten tausende Tiere auf ihre eigene liebevolle Familie. Eine, die ihnen nach reichlicher Überlegung ein Zuhause für immer bieten kann.“

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