Panorama / Siegen-Wittgenstein

Kalter Krieg, Piloten-Legenden und fliegende Autos: Siegerland – Luftfahrt der Extreme

Links: Zwei North American T-6, gesteuert von Walter and Toni Eichhorn, im Formationskunstflug. Rechts: Die Luftraumüberwachung im Geheimbunker Erich. Foto: Piloten: H. Raab (User:Vesta) - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11011247 | Bunker: Bunker Erich

Die Luftfahrt gehört in dem westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein zum Alltag – und ist dennoch nicht alltäglich.

Erndtebrück im Wittgensteiner Land – hier ist der Einsatzführungsbereich 2 der deutschen Luftwaffe stationiert. Von der Hachenberg-Kaserne aus kontrolliert sie mit dem stationären Control and Reporting Centre (CRC) „Loneship“ den zentralen deutschen Luftraum. Außerdem beherbergt die Kaserne das Ausbildungs-, Test und Trainingseinrichtung (ATT) „Slate Rock“.

Der Berg Ebschloh bei Erndtebrück ist Standort der Luftraumüberwachung der Luftwaffe des Einsatzführungsbereiches 2. Gut erkennbar ist die Kuppel des Radargerätes.
Der Berg Ebschloh bei Erndtebrück ist Standort der Luftraumüberwachung der Luftwaffe des Einsatzführungsbereiches 2. Gut erkennbar ist die Kuppel des Radargerätes. Foto: Ernstl 81 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19397647

Der Berg Ebschloh bei Erndtebrück ist Standort der Luftraumüberwachung der Luftwaffe des Einsatzführungsbereiches 2. Gut erkennbar ist die Kuppel des Radargerätes.

Geheimbunker Erich – ein Relikt aus dem Kalten Krieg

Einer der Höhepunkte in der bewegten Geschichte des Luftwaffenverbandes war am 3. Oktober 1990, dem Tag der deutschen Einheit, die Übernahme der Überwachung des Luftraumes über den neuen Bundesländern. Vom Zeitpunkt der Wiedererlangung der vollen Souveränität bis zum 5. Oktober 1992 wurde dann vom Gefechtsführungs- und Luftverteidigungsbunker „Erich“ zusammen mit dem Zentralen Gefechtsstand 14 der ehemaligen NVA Luftstreitkräfte der ostdeutsche Luftraum überwacht.

Ein Zeitzeuge des Kalten Krieges: Der Bunker Erich bei Erndtebrück.
Ein Zeitzeuge des Kalten Krieges: Der Bunker Erich bei Erndtebrück. Foto: Bunker Erich

Ein Zeitzeuge des Kalten Krieges: Der Bunker Erich bei Erndtebrück.

Heute ist der ehemalige Luftverteidigungsbunker bei Erndtebrück ein Museum. Seine Geschichte beginnt aber schon viel früher. Schon im Kalten Krieg wurde von hieraus der zentrale Luftraum Deutschlands militärisch überwacht. Früher eine streng geheime Bunkeranlage der NATO ist Erich heute sogar in Videos zu sehen. Gruppen, vor allem Metalbands wie Grave Digger oder Serious Black, nutzen die Anlage als Kulisse für ihre Videodrehs. Und auch das Außengelände ist alles andere als unbelebt. Hier messen sich Freizeit-Soldaten mit Airsoft-Waffen oder auch Fantasy-Helden beim Live-Rollenspiel.

Siegerland-Flughafen – ein bisschen Show muss sein

Ein König der Lüfte: Kunstflieger Toni Eichhorn zieht seine Runden.
Ein König der Lüfte: Kunstflieger Toni Eichhorn zieht seine Runden. Foto: MatthiasKabel - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25142440

Ein König der Lüfte: Kunstflieger Toni Eichhorn zieht seine Runden.

Etwa 40 km vom ehemaligen Luftverteidigungsbunker entfernt geht es ebenfalls um die Lufthoheit. Sie gehört unbestritten Toni Eichhorn und seiner North American T-28. Zu seinen Kunstflügen hoch am Himmel über Burbach startet der Pilot vom Siegerland-Flughafen.

Der Siegerland-Flughafen aus der Luft betrachtet.
Der Siegerland-Flughafen aus der Luft betrachtet. Foto: TVSW

Der Siegerland-Flughafen aus der Luft betrachtet.

Mit 599 Metern über den Meeresspiegel ist er einer der höchsten Verkehrsflughäfen Deutschlands. Von hieraus sind schon Prominente wie Deep Purple, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, das niederländische Königshaus oder die tschechische Nationalmannschaft abgehoben. Und eben Tonis Eichhorn, der gemeinsam mit seinem Vater, Walter Eichhorn, für atemberaubende Flugshows sorgt.

Eine lebende Flieger-Legende

Im Cockpit fühlt sich Flieger-Legende Walter Eichhorn am wohlsten.
Im Cockpit fühlt sich Flieger-Legende Walter Eichhorn am wohlsten. Foto: Julian Herzog, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28267621

Im Cockpit fühlt sich Flieger-Legende Walter Eichhorn am wohlsten.

Walter Eichhorn ist eine lebende Legende am Himmel. Sein geliebtes Fluggerät, die North American T-6, stammt aus dem Jahr 1942. Wenn man von einem ‚Oldie‘ sprechen will, kann nur das Flugzeug gemeint sein. Denn mit seinen 82 Jahren ist Walter Eichhorn absolut topfit. Sobald er im Cockpit seiner T-6 sitzt und den 600 PS starken Motor zum Leben erweckt, befindet er sich in seinem Element. Loopings und Rollen am Himmel zu fliegen, gehört für ihn lediglich zum Standardprogramm. Vor kurzem ist Eichhorn Senior mit dem Preis ‚Living Legends of Aviation‘ ausgezeichnet worden und in die ‚Hall of Fame‘ der internationalen Luftfahrt eingezogen. Die Fähigkeiten Eichhorns als Ausnahme-Pilot weiß sogar Hollywood zu schätzen. In dem Film ‚Operation Walküre – Das Staufenberg-Attentat‘ mit Tom Cruise wirkte Eichhorn als Flieger mit.

Runter kommen sie alle

Aber auch der Siegerland-Flughafen selbst hat schon TV-Karriere gemacht. Einige Szenen der Action-Serie ‚Alarm für Cobra 11‘ wurden hier abgedreht. Und vor sechs Jahren kam das Galileo-Team von Pro7 auf die Idee zu einem extremen Experiment. Im Juli 2012 hoben am Siegerland-Flughafen drei Autos ab.

Im freien Fall ging es für dieses Kfz Richtung Boden.
Im freien Fall ging es für dieses Kfz Richtung Boden. Foto: Screenshot / Lars Riedel

Im freien Fall ging es für dieses Kfz Richtung Boden.

Im freien Fall aus 1.000 Metern Höhe ging es dann für die bedauernswerten Vehikel zurück auf den Boden. Alles, um eine Frage zu beantworten: Wer ist schneller, ein Auto, das fährt, oder ein Auto, das fällt? lr

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