KOMMENTAR: Nach Diesel-Fahrverbot auf der A40 – Herzkranke Metropole mit dicker Luft

Ein Kommentar von Hans-Joachim Steinsiek Foto: INFORMER

Essen sah sich vor der vom Landschaftsverband propagierten Einführung des Begriffs Metropole gerne als das „Herz des Ruhrgebiets“. Vom Image des vormaligen Ruhrgebiets wollte man mit dem Metropolenbegriff weg vom schmuddeligen Kohlenpott, den man heute lieber im Ruhrmuseum verortet sieht.

EIN KOMMENTAR VON HANS-JOACHIM STEINSIEK – Dass man damit aktuell einen viel passenderen Begriff fand, denn Luftverschmutzung im gesundheitsschädlichen Ausmaß fand man bisher zumeist in den Metropolen Asiens und Amerikas, dürfte den „Machern“ an der Ruhr wohl spätestens nach der Verkündung des heutigen Fahrverbotsurteils in Teilen des Reviers dämmern. Über Jahre hatte man die Dramatik und das Ausmaß der Belastung nicht wahrhaben wollen und sich mit Vertröstungspraktiken vor effizienten Maßnahmen gedrückt. Wirtschaft und Mobilität hatte in der Argumentation Vorrang vor Gesundheit und Lebensqualität der Anwohner. Erst Brüssel und die konsequente Einforderung durch Initiativen konnte dem Bürger mit Hilfe der Gerichte die minimale Lebensqualität gesunder Luft durchsetzen.

Dabei hätte man bereits vor Jahren konsequent und noch vor dem Bekanntwerden der vorsetzlichen Betrügereien der Autoindustrie umsteuern können. Und dies auf allen politischen Ebenen. Insbesondere die Kommunen, die derzeit hilflos auf Land und Bund verweisen, haben es unterlassen im Nahverkehr brauchbare Alternativen zu entwickeln. Derzeitig noch angeschaffte Dieselbusse, die im engen Zeittakt die Stadt durchkreuzen sind ebensowenig alternativlos, wie eine Wegführung durch Stadtteile mit Massenbesiedlung. Vielleicht hätte man die Aktion „Grüne Hauptstadt“ konsequenter sehen müssen und nicht nur als Aufwertung beiläufiger Freizeitzonen.

Dem heutigen Gericht muß man eine logische Geradlinigkeit attestieren, dass es ungültige Schlüsse und Verweise ablehnte und den hier wohnenden Bürger mehr in den Mittelpunkt stellt als dies Politik in Kommune, Land und Bund bisher taten. Eine völlig neue Dimension ist der Einbezug der historisch gewachsenen überregionalen Fernstraßen, die im Ruhrgebiet zum Teil in Armbreite zu Wohnblöcken verlaufen. Hier steht ein städtebaulicher Aspekt in der Krise, der nicht nur durch Abwarten, Hinhalten und Relativieren zu beheben ist. Allerdings wird die Bundespolitik ihre Nähe zur Autoindustrie überdenken müssen.

Vorübergehender Schwerpunkt wird sicher eine bisher vermiedene Nachrüstung auf breiter Basis sein, denn weder eine Enteignung von Mobilen, noch Restriktionen allein können volkswirtschaftlich vertretbar sein. Der Spagat zwischen unabdingbarer Gesunderhaltung des Bürgers und dem Anspruch nach Mobilität wird man neu denken müssen.

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