Gesundheit / USA

Krebskiller: Forscher wollen Krebszellen in den Suizid treiben

Krebszellen unter dem Elektronenmikroskop.
Krebszellen unter dem Elektronenmikroskop. Foto: pixabay

Der Mensch wird immer älter – nicht zuletzt wegen der guten medizinischen Versorgung, über die wir heutzutage verfügen. Doch den Kampf gegen den Krebs führt die Medizin, so modern und fortgeschritten sie auch ist, häufig vergeblich. Wissenschaftler der Internationalen Agentur für Krebsforschung schätzen, dass dieses Jahr etwa 18 Millionen Menschen die Diagnose Krebs erhalten werden. Rund zehn Millionen von ihnen werden an ihren Tumoren sterben. Das sind die bislang höchsten Werte. Forscher auf der ganzen Welt suchen deshalb nach neuen Therapiemöglichkeiten. Nun könnte ihnen ein phänomenaler Durchbruch gelungen sein.

Millionen Zellen vernichten sich selbst in unserem Körper – und zwar täglich. Dieser Sterbeprozess ist wichtig, da sich so potenziell schädliche Körperzellen selbst zerstören. Nur die Krebszelle scheint gegen diesen Zellsuizid immun zu sein. Sie ignoriert die Zelltod-Abwehrsignale unseres Immunsystems einfach. Doch genau hierin könnte der Schlüssel im Kampf gegen den Krebs liegen. Denn gelingt es, den Selbstzerstörungsmechanismus der Krebszelle in Gang zu setzen, würde sie sich wie jede andere Körperzelle auch einfach selbst eliminieren.

Schon im vergangenen Jahr entdeckten Wissenschaftler der Northwestern Universität in den USA entdeckten, dass jede menschliche Körperzelle mit einem Code versehen ist, der einen programmierten Zelltod auslösen kann. Den Mechanismus dahinter konnte das Team um Studienautor Marcus Peter in seinen Studien damals allerdings noch nicht entschlüsseln. Dies sei ihnen jetzt aber gelungen, berichteten die Forscher dem Fachjournal ‚Nature Communications‘. Der nun entschlüsselte Kill-Code könnte ein Meilenstein im Kampf gegen den Krebs sein. Denn er könnte die Tumorzellen ohne den Einsatz chemischer Substanzen angreifbar machen.

Als würde die Krebszelle „Suizid begehen, indem man sich gleichzeitig ersticht, erschießt und von einem Gebäude springt“

Laut der neuen Studie ist der Kill-Code als Information in der Ribonukleinsäure (RNA) und in sogenannten Mikro-RNAs hinterlegt. Diese für die Zellen schädlichen RNA-Moleküle können auch Krebszellen abtöten. Denn gegen die Moleküle könne der Krebs keine Resistenz bilden, wie die Forscher schreiben. „Mikro-RNAs können dafür eingesetzt werden, die betroffenen Zellen in den Zelltod zu führen“, schreibt Studienautor Peter. „Es ist, als würde man Suizid begehen, indem man sich gleichzeitig ersticht, erschießt und von einem Gebäude springt“, so der Forscher in einem Statement. „Das kann man nicht überleben.“ Gelingt es, den jetzt entschlüsselten Code synthetisch zu vervielfältigen, könne der Kill-Code „ohne den Einsatz einer Chemotherapie und ohne Genveränderungen aktiviert werden“.

Genau das sei das Ziel der Studien gewesen, sagt der Forscher. Sie sollte eben keine neue, giftige Substanz entwickeln, sondern den Mechanismus verwenden, den uns die Natur bereits mit auf den Weg gegeben hat, der bereits in uns steckt und nur aktiviert werden muss. Nun wird es darum gehen, diesen Mechanismus in eine neue Therapieform gegen den Krebs einzubinden. Das könnte jedoch noch Jahre dauern.

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