Gesundheit / Aurich

Landkreis will Hebammenzentrale zur besseren Versorgung einrichten

Mit der künftigen Hebammenzentrale soll die Versorgung im Landkreis gesichert werden Foto: INFORMER

Die Versorgung mit Hebammen stellt insbesondere in weniger dicht besiedelten Gegenden eine besondere Herausforderung dar. Die Anzahl frei agierender Hebammen nimmt ab, nicht zuletzt wegen der schwierigen finanziellen Ausstattung der Freiberuflerinnen. Unter anderem werden die Kosten für hohe Versicherungsbeiträge wegen der hohen Risikenabsicherung in diesem Bereich angeführt. Der Landkreis Aurich reagiert auf diese Situation nun mit der Gründung einer Hebammenzentrale.

Auf Beschluss der politischen Gremien des Landkreises Aurich erfolgt die Gründung einer Hebammenzentrale und wird mit bis zu 25.000€ im Jahr unterstützt. Die Mittel stehen seit dem 01. November 2018 zur Verfügung und der Aufbau und Betrieb ist zunächst als Projekt auf drei Jahre ausgelegt. Kooperationspartner wird das Diakonischen Werk Aurich sein. Der Landkreis Aurich wird mit seinem Amt für Gesundheitswesen die weitere Entwicklung der Arbeit der Hebammenzentrale während des Projektzeitraumes begleiten und die Eröffnung zu gegebener Zeit bekanntgegeben.

In den letzten Jahren steigen die Geburtenzahlen im Landkreis Aurich. Gleichzeitig sinkt jedoch die Zahl der freiberuflich arbeitenden Hebammen, was zu einer Bedrohung der flächendeckenden Hebammenversorgung im Landkreis Aurich in den kommenden Jahren führen könnte. Schon jetzt gestaltet sich die Hebammenversorgung zunehmend schwierig. Schwangere Frauen müssen sich sehr früh, bereits mit positivem Schwangerschaftstest, um eine Hebamme bemühen, da deren Kapazitäten Monate im Voraus ausgeschöpft sind.

Aktuell ist es zudem unmöglich, freie Kapazitäten von Hebammen oder deren spezifische Qualifikationen (z.B. das Angebot von Vorbereitungskursen) zentral einzusehen und diese zu vermitteln, da Hebammen außerhalb der Klinik im Rahmen einer Selbstständigkeit tätig sind.
Die Bundesregierung plant zwar, die Ausbildung von Hebammen und Entbindungspflegern im Sinne eines Dualen Studiums zu akademisieren und nicht wie bisher, die Ausbildung an eine Hebammenschule durchzuführen. Die Akademisierung wird jedoch erst mittelfristig zu einer Entlastung durch Nachwuchskräfte in der Region führen. Im Amt für Gesundheitswesen des Landkreises Aurich wurde diese Entwicklung mit Besorgnis beobachtet. Darüber hinaus wurde ein dringender Handlungsbedarf durch die im Kreisgebiet tätigen Hebammen sowie durch den örtlichen Elternverein Mother Hood e.V. gesehen.

Nach ersten Treffen zwischen Verantwortlichen der Kreisverwaltung und den örtlichen Interessenvertretungen wurde ein Runder Tisch zur Hebammenversorgung im Landkreis Aurich initiiert. In dessen Rahmen wurde die Idee zum Aufbau und Betrieb einer Hebammenzentrale konkretisiert, wie sie bereits in anderen Kommunen, z.B. der Stadt Oldenburg, im Landkreis Friesland oder dem Landkreis Leer umgesetzt wurde. Parallel sind die politischen Entscheidungsträger auf Kreisebene über die bisherige Situation und die aktuellen Planungen informiert worden. Die Notwendigkeit einer Verbesserung der Gesamtsituation der Hebammenversorgung wurde fraktionsübergreifend erkannt.

Ziel und Aufgabe einer Hebammenzentrale ist u.a. eine verbesserte Nutzung der vorhandenen Ressourcen. So können sich werdende Mütter über eine Hotline oder eine eigene Homepage direkt an die Zentrale wenden, wenn sie keine eigene Hebamme finden. Die Hebammenzentrale verfügt über Übersichten und Gebietskarten, kennt die Angebote und Qualifikationen der im Landkreis Aurich tätigen Hebammen und kann freie Kapazitäten hebammen- und gebietsübergreifend vermitteln. Darüber hinaus kann die Hebammenzentrale auch Anfahrtswege bei Hausbesuchen überblicken und so Angebot und Nachfrage effektiv zusammenbringen. Dadurch wird die Versorgung der Familien mit Hebammenhilfe im Sinne eines familienfreundlichen Landkreises sichergestellt. Denn jede werdende Mutter hat einen gesetzlichen Anspruch auf die Begleitung einer Hebamme. Darüber hinaus können Familien mit sozialen Problemkonstellationen rechtzeitig erreicht und Frühe Hilfen installiert werden. Hebammen sehen Familien und ihre Kinder frühzeitig im familiären Umfeld und können belastenden Entwicklungen entgegensteuern, teilt das Landkreisamt Aurich mit.

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