Nachnutzung oder Neuerschließung? – Essen will bei der Besiedelung neue Wege gehen

Nachnutzung oder Neuerschließung? - Essen will bei der Besiedelung neue Wege gehen Foto: INFORMER

Städte wachsen nicht. Diese Tatsache kontrastiert mit dem wachsenden Bedarf an Wohnraum und den sich ändernden Anforderungen im Lebensraum. Auf gerade 80 Hektar schätzt Essens Stadtdirektor Hans-Jürgen Best den der Stadt verfügbaren Freiraum, der allerdings viele Kleinparzellen umfasst.

Die Stadt, die nach dem Kriege zu 80 Prozent zerstört war, ist noch geprägt von der damaligen Aufbautätigkeit mit ihrem funktionalen Gepräge in einer Zeit, in der es galt, in kurzer Zeit den Bewohnern ein Dach über dem Kopf zu bieten. Die Wohnungsschnitte jener Periode entsprechen nicht den heutigen Erwartungen, weder denen junger Familien mit Kindern, noch denen der älteren Semester, die sich komfortabel mit verkleinertem Wohnraum zufrieden geben wollen.

Nachnutzung oder Neuerschließung? – Essen will bei der Besiedelung neue Wege gehen Foto: INFORMER

Zwar verfügt Essen auch über Grünflächen, die periodisch als erschließungsfähig aufgeführt wurden. Der Bürgerwille verhinderte hier aber viel und das auch mit guten Argumenten. Einige Gebiete liegen nämlich in sogenannten Frischluftschneisen, die bei Westwetterlagen die Stadt mit Sauerstoff versorgen. Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) hatte nun eine Bürgerbefragung durchführen lassen, von der die Stadt sich valide Auskünfte bzgl. der Einschätzung des Bürgerwillens verspricht. Doch der ist auch unabhängig von einer Stichprobenauswahl willkürlich befragter Bürger vielzüngig. Eine gerade mit Spatenstich begonnene Baumaßnahme im gut bewerteten Stadtteil Rüttenscheid, bei der ein Investor gleich die Infrastruktur einschließlich eines Kindergartens mitliefert, ist da nicht ausgenommen. Zuviel Verkehr und drohender Verkehrsinfarkt wird von Anwohnern zum Protest gebracht. Da überzeugen auch keine engliśchsprachigen Bekundungen des Investors, „It is differnt!“, Klotzarchitektur mit Fensterdurchbrüchen und lange Betonwandfluchten dominieren auch eine kultivierte Zierbepflanzung und stehen im Kontrast zu den benachbarten Einzelreihenhäusern.

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen hebt dagegen den 30 prozentigen Anteil sozial geförderten Wohnungsbaus hervor. Auch seien der vom Investor gleich mit eingeplante Kindergartenbau und die nahe Anbindung an das Netz der Bundesbahn Pluspunkte. Vorteile für eine schmale Schicht von Bürgern, die sich die unterschiedlichen Preisprofile hier leisten können. Essen teilt hier in Rüttenscheid mit seiner größten Freifläche das Los aller Großstädte. Dass die neue Ansiedlung auch noch im Bereich von Luftschutzmaßnahmen mit Dieselverbot liegt, war den Projektierern zu Beginn der Planungen nicht vorstellbar. Gleichwohl hofft man auf den schnellen Verkauf der Wohneinheiten im Preissegment von 236500 und 571000 Euro.

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