Kalt erwischt – Trump zwingt Deutschland zu einer aktiveren Außenpolitik

Donald Trump - Wie sieht seine Außenpolitik wirklich aus? Foto: Pixabay

Der anhaltend zerstörerische Verrat Donald Trumps an den Prinzipien amerikanischer Außenpolitik hat die Deutschen kalt erwischt. Berlins etwas ungelenker Außenminister Heiko Maas beklagt hilflos den „abrupten Kurswechsel“ des unberechenbaren Präsidenten im Weißen Haus, ein Gegenmittel oder gar eine Strategie hat er nicht im Köcher. In Schockstarre registrieren Amerikas Bündnispartner,dass dem in die Politik verschlagenen Baulöwen aus Manhattan Allianzen und Verträge schnuppe sind. Für ihn zählt einzig, dass erseine dumpfe nationalistische Wählerbasis mit überraschendenVolten zum Applaus treiben kann. VON RICHARD KIESSLER

In Berlin wird diesem unkontrollierten Wutbürger an der Spitze einer Weltmacht jetzt alles zugetraut. Die Nato etwa hält er für einen Inkassoverein, dessen europäische Mitglieder mit seiner Drohung leben müssen, die USA könnten „ihr eigenes Ding machen.“ In Syrien und Afghanistan hat Trump eben dies praktiziert und ohne Konsultationen den überstürzten Rückzug der US-Soldaten befohlen. Die radikalen Dschihadisten in den arabischen Wüsten und am Hindukusch wird’s freuen, aus Moskau kommt beifälliges Lob, in Teheran atmen die Mullahs auf. 

Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für den INFORMER.
Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für das Redaktionsnetzwerk Informer. Foto: INFORMER

Trump macht Amerika kleiner, nicht größer. Der bewussten Zertrümmerung der liberalen Weltordnung mit dem Appell aus Berlin zu begegnen, die Europäer müssten endlich ihre Kräfte bündeln, ist wohlfeil. Bloßes Krisenmanagement reicht nicht aus, die EU muss eine strategische Autonomie gegenüber den USA anstreben. Dabei kann Deutschland eine führende Rolle spielen, ohne die Befindlichkeiten und Ängste seiner Partner aus dem Blick zu verlieren. Allein handeln kann die stärkste Macht in der Mitte Europas nicht. Aber die Berliner Außenpolitik muss weniger defensiv werden und sich mit denen zusammentun, die politisch, wirtschaftlich und notfalls militärisch eng kooperieren wollen. Als sträflicher Fehler erweist sich die bräsige Zurückhaltung der Kanzlerin und ihres wenig inspirierenden Außenministers gegenüber den mutigen Vorstößen Emmanuel Macrons, den die Volkswut mit dem Rücken an die Wand getrieben hat. Selbst der chaotische Brexit bietet nach dem EU-Austritt der störrischen Briten vielversprechende Kooperationsformate, da das Inselreich sein „special relationship“ zu Amerika endgültig in den Wind schreiben muss.

Deutschland sollte aus den Trümmern der transatlantischen Beziehungen retten, was zu retten ist. Doch die Regierung in Berlin muss ihr außen- und sicherheitspolitisches Profil stärken, wenn sie einen wirksamen Beitrag zum Zusammenhalt Europas leisten will.  Auf globaler Ebene kann die deutsche Außenpolitik neue Partnerschaften mit den Staaten ausbauen, die in der multipolaren Welt die Werte und Interessen der liberalen Weltordnung aufrechterhalten wollen. Zu dieser „Liga der Multilateralisten“ zählen neben den EU-Staaten Kanada, Japan, Südkorea, Australien und alle jene Länder, die sich einer regelbasierten Ordnung verpflichtet fühlen. Im neuen Jahr wird Deutschlands Rolle im Weltsicherheitsrat der UNO zum Testfall für eine aktivere Außenpolitik.

Über den Autor: Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für das Redaktionsnetzwerk Informer.

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