Hütten-Romantik mitten im Sauerland

Wenn es Abend wird in LiebesGrün – wir haben unseren Redakteur auf die Reise nach Schmallenberg geschickt. Foto: Lars Riedel
Wenn es Abend wird in LiebesGrün – wir haben unseren Redakteur auf die Reise nach Schmallenberg geschickt. Foto: Lars Riedel

Winterberg, die Kleinstadt im Sauerland, ist den meisten Ruhrgebietlern ein Begriff – und sei es auch nur vom winterlichen Ski-Kurztripp. Doch wo liegt Schmal­lenberg? Um genau zu sein, ist Schmallenberg die flächengrößte kreisangehörige Stadt NRWs, gehört ebenfalls zum Hochsauerlandkreis und liegt keine 30 Auto-Minuten von Winterberg entfernt. Vielleicht ist der Ort für uns aus‘m Pott nicht so geläufig wie sein kleiner Nachbar. Aber er hat etwas, das der andere nicht hat: Deutschlands wohl nördlichstes Berg­dorf. Und genau dorthin haben wir unseren INFORMER-Redakteur Lars Riedel geschickt.

Ausblick auf die Ortschaft Schmallenberg.
Ausblick auf die Ortschaft Schmallenberg. Foto: Lars Riedel

Schmallenberg – da musste auch ich erst einmal nachschauen, wo das liegt. Und was macht der Journalist als erstes, wenn er etwas nicht weiß? Das was jeder tut: Er googelt es. Eine Handelsstadt an der Lenne, war im Mittelalter Mitglied der Hanse, 303 Quadratkilometer Fläche, 400 Meter über dem Meeresspiegel. Und Schmallenberg ist die Heimat von Deutschlands wohl nördlichsten und damit auch am niedrigst gelegenen Bergdorf: LiebesGrün, das Ziel dieser Kurzreise. Und noch etwas kriegt man über das Internet schnell heraus: Auch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln verläuft ziemlich zügig. Nur 45 Minuten länger als mit dem Auto bin ich mit Bahn und Bus unterwegs.

Die Altstadt von Schmallenberg im Sauerland.
Die Altstadt von Schmallenberg im Sauerland. Foto: Lars Riedel

Nächster Halt: Schmallenberg

Aber LiebesGrün ist und bleibt ein Bergdorf, der Aufstieg von der Haltestelle bis zu den Hütten entsprechend steil. Die Anreise mit dem eigenen Kfz bleibt also die bessere Wahl, zumal zu jeder Hütte auch ein eigener Auto-Stellplatz gehört. Oben angekommen, werde ich aber schnell für meinen mühsamen Aufstieg entschädigt. Am Rand eines Fichtenwaldes liegen die romantischen Berghütten. Der Weg führt aber zunächst in die Handweiserhütte, in der sich das Restaurant und die Rezeption befinden. Nach einem herzlichen Empfang werde ich auch gleich zu dem mir zugeteilten Häuschen geführt, denn die Reisenden bewohnen exklusiv jeweils ein eigenes der zehn kleinen Domizile.

Das Bergdorf LiebesGrün.
Das Bergdorf LiebesGrün. Foto: Lars Riedel

Erst vor wenigen Jahren entstand das Dorf um die ehemalige Skihütte, wo ursprünglich ein Campingplatz geplant war. Entsprechend modern sind die Ferienhäuser. Nach außen versprühen sie den Charme einer zünftigen Berghütte. Die Ausstattung im Innern hingegen ist topmodern. Wireless LAN, Weinklimaschrank und Flat Screen TV,  – auf den 90 Quadratmetern, die sich über zwei Ebenen erstrecken, vermisst man nichts, was man auch in einem Hotel des gehobenen Segments findet. Ganz im Gegenteil: Für Selbstversorger und Hobbyköche ist sogar eine Kochinsel integriert.

Hinein in die gute Stube

Aber nun bin ich ja nicht hier, um am Herd zu stehen oder TV zu schauen. Ich will den Wohlfühlfaktor testen. Also wird gleich mal der Kaminofen angeheizt, zur kalten Jahreszeit will man es schließlich behaglich haben. Ein Korb mit Kaminholz und Anzündern steht bereit. Selbst für Laien im Feuermachen sollte das kein großes Problem darstellen, denn auch an eine Anleitung über das simple Bedienen des Kaminofens, die Verwendung der Anzünder und das korrekte Aufschichten der Holzscheite liegt dabei. Schnell wird es warm in der Hütte.

Macht es sich in der Berghütte gemütlich: INFORMER-REDAKTEUR Lars Riedel.
Macht es sich in der Berghütte gemütlich: INFORMER-REDAKTEUR Lars Riedel. Foto: Lars Riedel

Und das ist auch gut so. Denn am Tag meiner Anreise liegt zwar (leider) kein Schnee, aber es stürmt und regnet. Normalerweise würde ich es mir nun einfach nur noch gemütlich machen, auf der Eckbank in der Stube oder auf dem Kuschelsofa. Aber einmal muss ich noch vor die Tür, im Restaurant der Hundweiserhütte wartet in ca. zwei Stunden noch ein Drei-Gang-Menü auf mich, das ich mir nicht entgehen lassen möchte.

Das Restaurant in der Handweiserhütte

Wie in meiner Berghütte selbst ist auch im Restaurant alles sehr gepflegt, sauber und liebe- wie stilvoll eingerichtet. Man merkt sofort: Dieses Bergdorf ist ganz frisch entstanden. Frisch trifft es auch beim Essen selbst. Ich habe mich beim Hauptgang für das westfälische Maishähnchenfilet entschieden, hätte aber natürlich auch ein vegetarisches Menü zur Auswahl gehabt. Hier kocht der Chef des Bergdorfs, Ralf Blümer, übrigens selbst. Und er versteht sein Handwerk so gut, dass ich – obwohl eigentlich schon gut gesättigt – mehr möchte. Und tatsächlich werde ich beim Abräumen meines Tellers gefragt, ob ich noch einen Nachschlag vom Hauptgang haben will. Denn auch dieser gehört zu dem Abendmenü, das übrigens wie das auf die eigene Hütte gelieferte, üppige Bergfrühstück im Übernachtungspreis inkludiert ist.

Die Hütten-Romantik paart sich mit absolutem Wohnkomfort.
Die Hütten-Romantik paart sich mit absolutem Wohnkomfort. Foto: Lars Riedel

Die Berghütte wird zum Spa

Wenn es in Schmallenberg schneit, kommen auch viele Gäste zum Ski-Wochenende nach LiebesGrün, verrät mir ‚Dorf-Direktor‘ und Chefkoch Blümer, der sich trotz Küchenschicht die Zeit nahm, mich kurz persönlich willkommen zu heißen. Aufgrund der Wetterlage – und mangelnder Ski-Fahrkünste – tendiere ich eher zum Wandern. Dafür ist Schmallenberg und Umgebung auch bestens geeignet. Da der stärker werdende Regen meine Wanderlust jedoch etwas schmälert, wird diese Aktivität auf den morgigen Tag warten müssen.

Die Bergdorf-Betreiber: Jessica Gerritsen und Ralf Blümer.
Die Bergdorf-Betreiber: Jessica Gerritsen und Ralf Blümer. Foto: Foto: Cyrus Saedi, Hotelfotograf | www.cyrus-saedi.com

Den weiteren Abend verbringe ich lieber in meiner Berghütte. Die hat ja auch genug zu bieten: Bachkieseldusche, Design-Badewanne mit Panorama-Ausblick, Physiotherm-Infrarotkabine für zwei Personen. Da wird die Wahl schon wirklich zur sprichwörtlichen Qual. Und während ich vor dem Kaminfeuer grüble, womit ich beginne, prasselt der Regen gegen die Fenster und pfeift der Sturm unaufhörlich weiter. Das hatte ich zwar so nicht gebucht, aber es trägt durchaus zur heimelig kuschligen Atmosphäre bei.

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