Die Krise der Weltwirtschaft wird herbeigeredet – Trotz Wachstumsdelle wächst die Wirtschaft

Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für den INFORMER.
Dr. Richard Kiessler ist ein deutschlandweit renommierter Experte in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Für den Spiegel war er als diplomatischer Korrespondent tätig, sowie als Chefredakteur der NRZ und der WAZ Mediengruppe. Seit 2011 ist er freier Publizist und schreibt regelmäßig Kolumnen für das Redaktionsnetzwerk Informer. Foto: INFORMER

Düstere Prognosen schrauben die globale wirtschaftliche Entwicklung nach unten. Die politischen Großbaustellen in dieser fragilen Welt bringen weltweit die Konjunktur ins Schlingern und beflügeln die miese Stimmung. Der eskalierte Handelsstreit mit der auftrumpfenden Konkurrenzmacht China, den der irrlichternde Donald Trump vom Zaun gebrochen hat, das irrwitzige Gezerre britischer Politikversager um die insulare Abkehr vom europäischen Festland oder die wirrköpfigen Hasardeure am Ruder der Pleite-Republik Italien und der für ein paar Tage ausgesetzte erbitterte Haushaltszank in Washington befördern den erwarteten ökonomischen Abschwung. VON RICHARD KIESSLER

Angesichts der globalen Risiken verweisen die Hellseher auf die sichtbaren Bremsspuren ihrer wirtschaftlichen Wachstumsprognosen: Im Reich der Mitte fällt die Rate auf etwas über sechs Prozent und setzt die chinesischen Staatskapitalisten unter Druck. In den USA muss der Präsident sein großsprecherisches Versprechen von vier Prozent Wachstum kassieren. In Deutschland korrigierte die Regierung letzte Woche ihre Wachstumserwartungen auf gerade einmal ein Prozent nach unten. Die Kurzstürze an den Börsen signalisieren nichts Gutes: Seit Oktober 2018 rutschen der  Dow Jones und der DAX nach unten, der Dow Jones allein im Dezember um 10 Prozent. 

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos schwand der optimistische Überschwang des vergangenen Jahres. Das Pendel schlägt in eine andere, gefahrvolle Richtung: Sollte der Abschwung wirklich kommen, sind die Staaten womöglich schlechter darauf vorbereitet als vor der ein Jahrzehnt zurückliegenden globalen Finanzkrise. Der grassierende Populismus verunsichert die Menschen, die Sorge vor der Umweltzerstörung greift um sich, die Digitalisierung schafft neue Spielregeln. Die Steuerungsmechanismen etlicher hoch verschuldeter Staaten sind begrenzt.

Sind die Unkenrufe verfrüht? Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hält den Schwarzsehern entgegen, eine globale Rezession stehe „sicher noch nicht vor der Tür.“ Und Cornelius Baur, der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, rechnet ebenfalls „nicht mit einer Rezession.“ Aber er warnt: „Wir reden uns möglicherweise in eine hinein.“ Die Fakten sprechen für diese eher hoffnungsvollen Annahmen. Denn trotz des verlangsamten Wachstums wächst die Weltwirtschaft. In den USA etwa wurden im vergangenen Jahr mehr als drei Millionen neue Jobs geschaffen. Die Auftragsbücher in den meisten europäischen Ländern und in den USA bersten.  Nicht nur in Deutschland mehren sich die Sorgen der Unternehmen um den wachsenden Mangel an Fachkräften. Und die Europäische Zentralbank (EZB) hält weiterhin billiges Geld vor, erhöht bis 2020 nicht die Zinsen, stellt aber in Notfällen Löschmittel bereit.

Schon Ludwig Erhard hielt den Pessimisten eine immer noch gültige Weisheit entgegen: „Wirtschaftspolitik ist zur Hälfte Psychologie.“ Wir sollten uns also tunlichst hüten, eine Rezession der Weltwirtschaft herbeizureden.

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