Überschuldung ist 2018 zum fünften Mal in Folge angestiegen

Wenn der finanzielle Druck immer mehr zunimmt, sollten Betroffene sich beraten lassen. So findet man eventuell gemeinsam einen Weg aus der Schuldenkrise.
Wenn der finanzielle Druck immer mehr zunimmt, sollten Betroffene sich beraten lassen. So findet man eventuell gemeinsam einen Weg aus der Schuldenkrise. Foto: stevepb (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Wer größere Anschaffungen plant, kauft heute oft auf Raten. Diese Art einzukaufen ist sehr bequem und bietet die Gelegenheit, mehrere hundert Euro einfach auf Raten zu verteilen. Und so die Haushaltskasse nicht zu sehr zu belasten. Damit steigt aber auch das Risiko, in der Schuldenfalle zu landen.

Viele kleine Kreditraten werden unterm Strich auch teuer. Irgendwann sind die Abzüge vom Konto so unüberschaubar, dass mal eine Rate vergessen wird. Das Ergebnis: Es landen Mahnungen im Briefkasten. Im Creditreform Schuldenatlas ist für den zurückliegenden Beobachtungszeitraum wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Seit 2014 hat die Überschuldung damit zum 5. Mal einen Anstieg erlebt. Gegenüber dem Vorjahr ist die Quote allerdings nur leicht angestiegen – um 0,03 Prozent.

Wie hat sich die Schuldnersituation in Deutschland genau verändert?

Überschuldung ist schon lange kein Einzelfall mehr. In den letzten Jahren ist – zu diesem Ergebnis kommt der Creditreform Schuldenatlas – die Quote überschuldeter Haushalte gestiegen. Mittlerweile sind es mehr als 10 Prozent der Bevölkerung über 18 Jahre, bei denen die Schulden (Verbindlichkeiten) und das Einkommen/Vermögen in keinem gesunden Verhältnis mehr zueinanderstehen.

Heißt im Klartext: Fast sieben Millionen Menschen in Deutschland haben – aus verschiedenen Gründen – über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gelebt. Was an der aktuellen Situation besonders ist: Viele der Neufälle stehen in Zusammenhang mit Betroffenen, die bisher nicht oder kaum durch Probleme mit ihren Verbindlichkeiten auffielen.

Die Auskunftei hat in Verbindung mit einer geringen Überschuldungsintensität einen Zuwachs von fast vier Prozent verzeichnet. Auf der anderen Seite ist die Zahl der Schuldner mit massiv auftretenden Negativmerkmalen rückläufig.

Übersicht Verschuldung in Deutschland:

  1. + 106.000 Fälle mit geringer Überschuldungsintensität
  2. – 87.000 Fälle mit hoher Überschuldungsintensität

Schulden sind allerdings nicht gleich Schulden. Einem Teil der Betroffenen gelingt es, der Schuldenfalle zu entkommen. Aber: Nicht jeder schafft den Absprung. Im Gegenteil, für viele Betroffene setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang. Laut Creditreform ist die Zahl der Menschen mit dauerhafter Schuldenproblematik in den Jahren seit 2006 um über ein Fünftel gewachsen.

Was verblüfft: Die Schuldnerquote ist sowohl in den alten als auch den neuen Bundesländern fast identisch. Allerdings darf dieser Sachverhalt nicht fehlgedeutet werden. In den fünf neuen Ländern hat ein Abwärtstrend eingesetzt – sprich die Zahl überschuldeter Haushalte sinkt. In den alten Bundesländern ist genau das Gegenteil der Fall. Hier steigt die Zahl der Betroffenen, bei denen die klassischen Merkmale der Überschuldung erfüllt sind.

Und es gibt noch einen Trend, der aufhorchen lässt. In den letzten Jahren tritt die Überschuldung älterer Menschen immer stärker in den Mittelpunkt. Im Vergleich mit der letzten Erhebung hat sich deren Anteil deutlich verändert – er ist um mehr als ein Drittel gestiegen. Allerdings ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung immer noch sehr gering.

Wie lässt sich Überschuldung vermeiden?

Überschuldung kann beides sein – ein schleichender Prozess oder plötzlich auftreten. Trotzdem gibt es verschiedene Möglichkeiten, präventiv zu agieren. Denn Schulden wachsen nicht einfach auf Bäumen. Oft werden sie aktiv gemacht.

  • Sparen, statt auf Pump kaufen: Dieser Grundsatz klingt trivial, hat aber nichts an Relevanz verloren. Gerade Waren oder Dienstleistungen wie Reisen, Unterhaltungselektronik (Fernseher, Konsole usw.) sollten eher angespart werden. Kredite bleiben im besten Fall dem Eigenheim, einem neuen Auto oder der Küche vorbehalten. Und wenn schon finanziert wird, dann sollte die Finanzierung nicht zu lange gestreckt werden. Mikrokredite bieten hier eine Möglichkeit, sich möglichst schnell online Geld zu leihen und dieses in wenigen Monaten zurückzuzahlen. So entsteht keine lange Verschuldungsfalle.
  • Keinen Dispo nutzen: Der Dispo ist bequem und lässt sich schnell ausnutzen. Allerdings wird er auch teuer, da die Zinsen hierfür sehr hoch sind. Grundsätzlich empfiehlt sich eher der Griff zu einem Rahmenkredit oder klassischen Ratenkrediten. Damit sinkt auch der Entschuldungsdruck, da der Dispo meist sehr schnell wieder getilgt werden muss.
  • Finanzielles Polster bilden: Das Geld mit vollen Händen ausgeben – wer so agiert, muss sich über Schulden nicht wundern. Um der Schuldenfalle zu entgehen, ist der Aufbau eines kleinen Polsters in jedem Fall ein wichtiger Schritt.
  • Budgets erstellen: Haushaltsbuch und Haushaltskasse – zwei Instrumente aus Großmutters Zeit, mit denen sich hohe Schulden aber immer noch vermeiden lassen. Mit dem Haushaltsbuch geht der Überblick zu den Ausgaben nicht verloren und es kann ein Budget erstellt werden – mit dem sich Schulden vermeiden lassen.

Und wenn die Überschuldung schon zu geschlagen hat?

Das Thema Schulden ist leider vielen Millionen Deutschen nicht mehr fremd. Eine Reaktion ist die Vogel-Strauß-Taktik. Aber genau hierin liegt ein großer Fehler. Wer mit seiner Schuldensituation nicht mehr zurechtkommt, braucht einfach Hilfe. Diese gibt es unter anderem bei caritativen Organisationen wie der AWO oder Caritas. Informationen bieten zudem auch oft die Kommunen an. Wichtig sollte Betroffenen in diesem Zusammenhang sein, dass die Beratung auf einer gemeinnützigen Basis erfolgt. In der Praxis bieten unter anderem auch Anwaltskanzleien diesen Service an. Hier ist vorab in jedem Fall die Finanzierung zu klären.

Wer sein Haushaltsgeld budgetiert, kann die Ausgaben besser im Zaum halten.
Wer sein Haushaltsgeld budgetiert, kann die Ausgaben besser im Zaum halten. Foto: peter-facebook (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Fazit: Mehr als 10 Prozent der Deutschen überschuldet

Schulden machen ist nicht schwer. Im Gegenteil: Es reicht manchmal schon eine Unterschrift. Wer Schulden hat, schläft (ab einer gewissen Höhe der Schulden) sicher schlechter. Betroffen sind in Deutschland mittlerweile mehr als 10 Prozent der Bevölkerung von Überschuldung. Schulden lassen sich aber vermeiden – indem mit Geld sparsam umgegangen wird. Und wer einmal Schulden hat, kann sich aus dieser Misere wieder befreien. Wichtig ist, die Augen vor den Problemen nicht zu verschließen und sich um Hilfe zu bemühen. Letztere bietet sich in Form einer Schuldnerberatung an.

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